Intelligenz : ein relevantes differenzialdiagnostisches Merkmal bei Sprachentwicklungstörungen?

Die Spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) ist als erwartungswidrige Minderleistung der Sprachentwicklung im Vergleich zur kognitiven Entwicklung definiert. Untersucht wird, (1) ob sich für SSES-Kinder im Vergleich
Die Spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) ist als erwartungswidrige Minderleistung der Sprachentwicklung im Vergleich zur kognitiven Entwicklung definiert. Untersucht wird, (1) ob sich für SSES-Kinder im Vergleich zu unterdurchschnittlich intelligenten sprachentwicklungsgestörten Kindern (SES-Lb) ein typisches Muster von sprachlichen Leistungen sowie von Teilleistungsstörungen nachweisen lässt, das für eine Differenzialdiagnostik und damit für eine Untergruppenbildung sprachentwicklungsgestörter Kinder nutzbringend eingesetzt werden kann, (2) ob und in welcher Weise eine solche Differenzierung Konsequenzen für die Diagnostik und nachfolgend für eine Therapie zeitigt und (3) ob es Defizite in umschriebenen Leistungsbereichen gibt, die als Bedingungsfaktoren für eine Sprachentwicklungsstörung gelten, sich aber als unabhängig von der Intelligenz erweisen. Eine Gruppe von 138 fünf- und sechsjährigen Kindern mit einer schweren Sprachentwicklungsstörung, von denen 108 eine normale nonverbale Intelligenz aufwiesen, wurde anhand von IDIS (Inventar diagnostischer Informationen bei Sprachentwicklungsauffälligkeiten) untersucht. Erfasst wurden neben den sprachlichen Fähigkeiten auf der phonetisch-phonologischen, der semantisch-lexikalischen, der morphologisch-syntaktischen und der pragmatischen Ebene auch die Intelligenz, die auditive und visuelle Wahrnehmung, die auditive und visuelle Merkfähigkeit, sowie die Fein- und Grobmotorik. In den meisten geprüften Bereichen zeigt sich ein deutlicher Effekt der Intelligenz auf die Leistungen, der nicht nur auf Unterschiede in der Profilhöhe, sondern auch im Profilverlauf, also auf strukturelle Leistungsdifferenzen, hinweist. Als ein von der Intelligenz unabhängiger Bedingungsfaktor für eine Sprachentwicklungsstörung gilt eine gestörte phonologische Schleife, das auditive Subsystem des Arbeitsgedächtnisses. Für die Beibehaltung der Differenzierung der Sprachentwicklungsstörungen nach der kognitiven Leistungsfähigkeit wird nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Leistungsstrukturen plädiert, sondern auch, weil die therapeutischen Möglichkeiten in Abhängigkeit von der Intelligenz als verschiedenartig eingeschätzt werden.
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Specific language impairment (SLI) is defined as an developmental disorder in which language comprehension and the child’s ability to use expressive spoken language is markedly below the appropriate level for his or her 
Specific language impairment (SLI) is defined as an developmental disorder in which language comprehension and the child’s ability to use expressive spoken language is markedly below the appropriate level for his or her mental age (cf. ICD-10, F80.2). Intelligence of SLI children is in normal range while their language abilities are impaired. „Normal intelligence“ as a defining feature of SLI is questioned in this study. Which differences exist between SLI children and those children (LI) which have impaired language abilities and intelligence below normal range? Do the profiles in various domains only differ quantitatively, or do qualitative differences exist which point to structural differences between SLI and LI children, too? Is intelligence a useful feature to classify into SLI und LI children? Such a classification must have consequences for assessment and therapy. Using IDIS (an inventory of diagnostic information in language impairment) 138 children aged 5 and 6 years with severe language impairment, 108 SLI and 30 LI children were examined. Various indicators of speech and language such as articulation, the ability to discriminate sounds, lexicon, grammar and pragmatic abilities but also auditory and visual perception, auditory and visual memory, fine and gross motor function were assessed. The performance of the SLI children was significantly higher in most of the tests compared to LI children. Factor analysis showed that the two groups differ both in level of performance and in structure of performance. In most children auditory short term memory was reduced irrespective of intelligence. It is proposed to retain the differentiation of subgroups of developmental speech and language disorders depending on the level of intelligence.
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Metadaten
Author:Hermann Schöler, Ludwig Braun, Annerose Keilmann
URN:urn:nbn:de:hebis:30-1030251
Document Type:Report
Language:German
Date of Publication (online):2005/05/17
Year of first Publication:2003
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Release Date:2005/05/17
HeBIS PPN:128465913
Dewey Decimal Classification:400 Sprache
Sammlungen:Linguistik
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $