Sportmedizinische Aspekte zu Fitness und Wellness

Sports medical aspects of fitness and wellness

Kongreßbericht: Seminar des Arbeitskreises Sportmedizin der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen. Bad Nauheim, 18.03.2006. Ziel des Seminars war, sportmedizinische und prävent
Kongreßbericht: Seminar des Arbeitskreises Sportmedizin der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen. Bad Nauheim, 18.03.2006. Ziel des Seminars war, sportmedizinische und präventivmedizinische Aspekte zu Fitness und Wellness zu präsentieren und hierbei insbesondere auf die historische Entwicklung der Sportmedizin einzugehen sowie Techniken und Wirkungen verschiedener Massageformen und ganzheitliche asiatische Gesundheitsansätze und Bewegungskünste zu erörtern. Sport im Fitness-Center – Geschichte, Entwicklung, Aufgaben (Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h. c. mult. Wildor Hollmann, Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Deutsche Sporthochschule Köln): Die Zukunft der Medizin wird der Präventivmedizin gehören. Durch Beachtung und weitere Ausarbeitung des Risikofaktorenkonzepts wird es möglich sein, einer Fülle von Krankheiten präventiv begegnen zu können. Dazu gehört die biologisch notwendige Dosis an körperlicher Aktivität zur Erzielung optimaler struktureller, biochemischer und biophysikalischer Lebensbedingungen. Für präventive, therapeutische und rehabilitative Aufgaben ist die Kenntnis der individuellen körperlichen Leistungsfähigkeit von Bedeutung. 1954 führten wir in der Medizinischen Universitätsklinik Köln das Fahrradergometer in die Knipping’sche Spiroergometrie ein, von wo sich diese Methode weltweit ausbreitete. Dazu gehörte die Entwicklung einer geeigneten Apparatur zur Ermittlung des Blutdruckverhaltens während Ergometerarbeit. Bis 1959 galt die ergometrische Ermittlung der maximalen Sauerstoffaufnahme/min als einzige zuverlässige Aussage leistungsdiagnostischer Art. Damit waren aber bei der Untersuchung kranker Personen Gefahren verbunden, und es bestand eine Abhängigkeit von der Motivation des Untersuchten. Deshalb führten wir 1959 die Bestimmung des aerob-anaeroben Übergangs ein mit simultaner Registrierung von Atemminutenvolumen und Laktatverhalten im arteriellen Blut. Nun konnte auf Maximalbelastungen verzichtet werden. In den 1950er Jahren stellten wir ebenso wie einige andere Untersucher wesentliche gesundheitliche Schädigungsmöglichkeiten durch längere Bettruhe fest. Andererseits konnte schon durch Minimal-Trainingsverfahren den Auswirkungen von Trainingsverlusten entgegengewirkt werden. 1966 wandte sich eine ad-hoc-Kommission des Weltverbandes für Sportmedizin an die Weltgesundheitsorganisation in Genf mit der Bitte um Überprüfung des international üblichen Behandlungsschemas von Herzinfarktpatienten mit einer mehrwöchigen Bettruhe. Ab 1977 konnte durch die Luxemburger Resolution der WHO das Herzinfarkt-Therapieprinzip endgültig umgewandelt werden in Frühmobilisation, Bewegungstherapie und Rehabilitation. Die wesentlichsten Auswirkungen von Krafttraining einerseits, Ausdauertraining andererseits werden dargestellt. Gleiches gilt für geeignete Trainingsmaßnahmen. Durch die heutigen bildgebenden Verfahren hat sich das Wissen um Zusammenhänge zwischen Struktur und Biochemismus des Gehirns einerseits, körperlicher Aktivität andererseits hochgradig vergrößert. Durch geeignete körperliche Bewegung können Angiogenese, Hirnplastizität und Neurogenese gefördert werden. Damit sind speziell beim älteren Menschen kognitive Gewinne verbunden. Der niedergelassene Arzt kann das wünschenswerte körperliche Training mit seinem Patienten weder durchführen noch beaufsichtigen. Infolgedessen sind Einrichtungen wie Fitnesszentren aus medizinischer Sicht notwendig. Voraussetzung ist die Erfüllung von personellen, apparativen und räumlichen Gütemerkmalen (Gütesiegel). Optimalerweise sollte der Arzt die Möglichkeit haben, jeden Patienten mit der Therapieanweisung „Training“ einem möglichst nahegelegenen Fitnesscenter zuweisen zu können. Eine ärztliche klinische Untersuchung mit Leistungsdiagnostik sollte dem Training vorangehen. Im Fitnesscenter kann die Festlegung des individuell angepassten Trainingsprogrammes in Rücksprache mit dem einweisenden Arzt vorgenommen werden. Nach 2 bis 3 Monaten sollte eine erneute Vorstellung beim Arzt mit Vorlage der bisherigen Trainingsbefunde erfolgen. Daran sollte sich in weiterer Absprache zwischen Arzt und Fitnesscenter eine Fortführung oder Änderung des Programms ergeben. Klassische und asiatische Massage – eine Literaturübersicht zu Techniken und Wirkungen (Dr. med. Silke Jahr, Dr. med. Anett Reißhauer, Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Charité – Universitätsmedizin Berlin): Einleitung: Massage ist eines der ältesten Heilverfahren der Menschheit und wird in vielen Weltkulturen angewendet. Massage wird definiert als eine befundorientierte, manuelle Behandlungstechnik. Methode: Eine computergestützte Literatursuche wurde in Medline, Embase und der Cochrane Bibliothek für die Jahre 1995–März 2006 durchgeführt. Ergebnisse: Viele Studien zeigen die positiven Effekte der klassischen Massage. Reviews konnten Schmerzlinderung, Verbesserung des psychischen Wohlbefindens und Funktionsverbesserung darstellen. In der Literatur lassen sich viele Beschreibungen der asiatischen Massageformen finden, jedoch sind kontrollierte Studien nur zur Akupressur zu finden. Diskussion: Entsprechend der Auffassung der Ursache von Erkrankungen und deren Therapie liegen bei asiatischen Massageformen spirituelle Hintergründe vor. Daneben werden jedoch auch Tastbefunde behandelt, die dem Konstrukt der myofaszialen Triggerpunkte ähneln. Schlussfolgerung: Aus der Literatur lassen sich sichere Wirkungsnachweise für Indikationen der klassischen Massage ableiten. Bei asiatischen Massageformen gilt dies nur für die Akupressur. Zu anderen Massageformen wurden kontrollierte Studien in den medizinischen Literaturverzeichnissen nicht aufgefunden. Ganzheitliche asiatische Gesundheitsansätze und Bewegungskünste (Dr. med. Thomas Oettinger, Lorch): Asiatische Methoden zur medizinischen Behandlung von Erkrankungen bzw. zur Förderung und zum Erhalt der Gesundheit sind in zunehmendem Maße auch in Europa anzutreffen. Einige davon gingen (z.B. als „traditionelle chinesische Medizin“) in das Repertoire europäischer Ärzte über. Andere Anwendungen trifft man häufig im Bereich von Wellness-Angeboten an; sie versprechen dort einen positiven Einfluss auf das körperliche und psychische Wohlbefinden. Der Beitrag beschreibt und diskutiert hierzu die Grundlagen und Wirkungen von Akupunktur, Tai Chi Chuan, Qi Gong, Yoga und Ayurveda. Daneben fanden auch sportliche Disziplinen aus Fernost weite Verbreitung. Da es sich hierbei häufig um Kampfkünste handelt, deren Betreiben gewisse körperliche Voraussetzungen erfordert und die im Wettkampf zu Verletzungen führen können, sollten auch Ärzte eine Vorstellung vom Inhalt solcher Sportarten haben. Vorgestellt werden quasi als zwei Pole des asiatischen Kampfkunst-Spektrums die japanische Disziplin Aikido und das koreanische Taekwondo. Neben den Aspekten des (Wett-)Kampfes beinhalten fernöstliche Sportarten aber auch Elemente, wie sie als Ziele im Gesundheitssport zu finden sind: aufrechte Haltung, Koordination, ausreichendes Muskelkorsett, Ausdauerleistungen und Stresstoleranz. Der Deutsche Olympische Sportbund erarbeitete vor einigen Jahren das Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit“ für besonders gesundheitsbewusste Angebote seiner Sportfachverbände. Die entsprechende Lizenzierung von Vereinsangeboten bestätigt qualitätsgesicherte Leistungen im Bereich der Prävention nach § 20 SGB V, für welche die gesetzlichen Krankenversicherungen ihren Mitgliedern Zuschüsse oder Boni geben können. Voraussetzungen bestehen u.a. in einem ausgearbeiteten und anerkannten Gesundheitssport-Programm sowie einer spezifischen Qualifikation der Übungsleiter/-innen. Der Deutsche Aikido-Bund gehört zu den wenigen Sportfachverbänden, die ein Sport-pro-Gesundheit-Programm anbieten dürfen. Schlüsselwörter: Präventivmedizin, Weltgesundheitsorganisation (WHO), Weltverband für Sportmedizin (FIMS), Kölner Deklaration, Bewegungsmangel, Herzinfarkt, körperliches Training, Ausdauertraining, Gehirn, Psyche, Trainingsprogramm, Fitnesscenter, Massage (chinesische / japanische / ayurvedische / indische / indonesische / javanesische / balinesische Massage), Tuina, Akupressur, Shiatsu, Ayurveda, ayurvedische Medizin, traditionelle chinesische Medizin, Triggerpunkte, Rückenschmerz, Akupunktur, Yoga, Tai Chi Chuan, Taekwondo, Aikido, Sport pro Gesundheit
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Meeting report: The objective of the seminar was to present aspects of sports medicine and prevention related to physical fitness and, in particular, to focus on the historical development of sports medicine, while also 
Meeting report: The objective of the seminar was to present aspects of sports medicine and prevention related to physical fitness and, in particular, to focus on the historical development of sports medicine, while also discussing techniques and the effects of different kinds of massage and holistic Asian health approaches and motion arts. Sports in fitness centers – history, development, tasks (Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h. c. mult. Wildor Hollmann, Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Deutsche Sporthochschule Köln): The future of medicine will be preventive medicine. Based on recognition and improved understanding of the concept of risk factors it will be possible to prevent a high number of diseases. In this context, the biologically necessary amount of physical activity required to reach optimal structural, biochemical and biophysical life conditions needs to be considered. Knowledge of the individual physical performance capacity is important for the preventive, therapeutic and rehabilitative tasks. In 1954 in the Medical Clinic of the University of Cologne we integrated the cycle ergometer into the spirometric measurements developed by the Knipping group. This method received worldwide recognition. Part of this method was the development of an appropriate apparatus for measurement of blood pressure during cycle ergometry. Up to 1959, the ergometric assessment of maximal oxygen uptake per minute was the only precise method for performance diagnosis. However, risks were involved when testing persons with diseases, and there was a high dependance on the motivation of the subjects. Thus, in 1959 we presented a new method allowing the measurement of the aerobic-anaerobic transition with simultaneous registration of the minute volume of ventilation and blood lactate concentration in arterial blood. As a result it was then possible to avoid maximal physical demands. In the 1950s we detected – as did other researchers – relevant health risks induced by bed rest. On the other hand it was shown that already minimal training programs oppose the effects of performance reduction. In 1966 an ad-hoc commission of the world organisation for sports medicine approached the World Health Organisation in Geneva and requested the evaluation of the internationally usual treatment after coronary heart disease in the form of bed rest for several weeks. Since 1977 it has been possible – due to the Luxemburg resolution of the WHO – to change the therapeutic approach to involve early mobilisation, movement therapy and rehabilitation. The most important effects of resistance training on the one hand and endurance training on the other are shown. The same is the case for appropriate training programs. By using the imaging methods available today, it has become possible to greatly expand our knowledge about structure and biochemistry of the brain in relation to physical activity. Appropriate physical activity improves angiogenesis, brain plasticity and neurogenesis. Especially in the elderly, this coincides with improved cognitive function. General physicians can not carry out the desired physical training, nor can they supervise it. From this point of view, institutions such as fitness centers are necessary. This however requires the fulfillment of quality criteria regarding the staff, equipment and rooms. Ideally, every physician should have the possibility of referring each patient with a prescription for “training” to a local fitness center. A medical examination including performance diagnosis should be carried out before the start of the training program. In the fitness center the training program can be developed in consultation with the physician. After 2–3 months, a second medical examination should follow at which information concerning the results of the training program should be presented. This should lead to a continuation or modification of the program in cooperation with the physician and the fitness center. Classic and Asian massage – a literature review of methods and effects (Dr. med. Silke Jahr, Dr. med. Anett Reißhauer, Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Charité – Universitätsmedizin Berlin): Introduction: Massage is one of the oldest forms of medical treatment known to mankind and is used in most cultures of the world. Massage is defined as a manual technique directly related to the diagnostic findings. Method: A computer-assisted literature search was conducted in Medline, Embase and the Cochrane Library for the period from 1995 through March 2006. Results: Many studies have demonstrated the beneficial effects of classic massage. Review articles have reported pain reduction, improvement of psychological well-being, and better function. Much of the literature on Asian massage merely describes the different forms of massage, while controlled studies are only available for acupressure. Discussion: Based on the conception of diseases, their causes and treatment, Asian forms of massage have a spiritual background. In addition, palpation findings are treated which are comparable to the construct of trigger points. Conclusions: The results reported in the literature suggest that there are proven indications for classic massage, whereas this only applies to acupressure in the case of the Asian massage forms. No controlled studies are found in the literature for other forms of massage. Holistic Asian health approaches and motion arts (Dr. med. Thomas Oettinger, Lorch): Asian methods of medical treatment and methods to support health are becoming increasingly common in Europe. Some of them are used by physicians, others are being offered to improve wellness and wellbeing. This contribution describes the fundamentals and effects of acupuncture, Tai chi chuan, Qi gong, Yoga and Ayurveda. Furthermore, many sports disciplines originating in the Far East have found supporters throughout the world. Since this mainly concerns martial arts which require a certain physical condition and which may result in injuries during competitions, physicians should be aware of what these sports entail. Two disciplines that may represent two poles in the field of Asian martial arts are presented: Aikido from Japan and Taekwondo from Korea. Besides the aspects of fighting and competitions, the Asian disciplines also involve elements found in health-orientated sports: upright posture, coordination, sufficient musculature, stamina and stress tolerance. The German Olympic Sports Federation has created the certificate “Sports for Health” which can be awarded to sports associations offering programmes especially designed for health purposes. The granting of such an award may offer benefits to customers since some health insurances are willing to at least partly contribute to the costs. The German Aikido Federation is one of the few sports associations allowed to award this certificate. Keywords: preventive medicine, World Health Organisation (WHO), Fédération Internationale de Médicine du Sport (FIMS), Declaration of Cologne, lack of exercise, myocardial infarction (MI), physical training, endurance training, brain, psyche, training program, fitness center, massage (chinese / japanese / ayurvedic / indian / indonesian / javanese / balinese massage), tuina, acupressure, shiatsu, ayurveda, ayurvedic medicine, traditional chinese medicine, trigger points, low back pain, acupuncture, Yoga, Tai Chi Chuan, Taekwondo, Aikido, sports pro health
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Metadaten
Author:Gerd Hoffmann, Ingeborg Siegfried
URN:urn:nbn:de:hebis:30-83971
Document Type:Conference Proceeding
Language:German
Date of Publication (online):2010/11/01
Year of first Publication:2010
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Release Date:2010/11/01
Tag:Akupunktur; Herzinfarkt ; Psyche ; Rückenschmerz ; Weltgesundheitsorganisation (WHO)
World Health Organisation (WHO) ; acupuncture; low back pain ; myocardial infarction (MI) ; psyche
SWD-Keyword:Bewegungsmangel ; Chinesische Medizin ; Fitness ; Fitnesscenter ; Massage ; Präventivmedizin ; Taekwondo ; Training ; Trigger-Point; Wellness
Note:
©2010 Hoffmann et al. Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.
Source:Düsseldorf : German Medical Science GMS Publishing House, 2010. Doc06sportmed1. DOI: 10.3205/06sportmed1 ; URN: urn:nbn:de:0183-06sportmed11 ; http://www.egms.de/static/pdf/meetings/sportmed2006/06sportmed1.pdf und http://www.egms.de/static/en/meetings/sp
HeBIS PPN:229924840
Institutes:Sportwissenschaften
Dewey Decimal Classification:610 Medizin und Gesundheit
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $