Zur Messung individueller Wohlfahrt und ihrer Verteilung

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit Problemen der Messung individueller Wohlfahrt und ihrer Verteilung. Dabei wird versucht, eine Brücke zwischen ökonomischen und soziologischen Ansätzen zu schlagen. In einern e
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit Problemen der Messung individueller Wohlfahrt und ihrer Verteilung. Dabei wird versucht, eine Brücke zwischen ökonomischen und soziologischen Ansätzen zu schlagen. In einern ersten Teil werden Probleme der Nutzenmessung diskutiert. Für die Nutzenmessung gibt es weder einen natürlichen Nullpunkt noch eine natürliche Maßeinheit, so daß es deren Bestimmung durch Konventionen bedarf. Selbst die dabei einzubeziehende Palette objektiver und subjektiver Wohlfahrtskomponenten ist nicht vorgegeben. Ausgehend von dem soziologischen Ansatz, sowohl "welfare" als auch "happiness" zu berücksichtigen, wird ein differenziertes Schema wohlfahrtsrelevanter Bedürfnisse erarbeitet, deren Messung teilweise "objektiv unter Annahmen" - dies betrifft alle Besitzbedürfnisse -, überwiegend aber "subjektiv durch Einschätzung" möglich ist (Zugehörigkeitsbedürfnisse, Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung, gesellschaftsbezogene Bedürfnisse). Die Bedingtheit empirischer Wohlfahrtsanalysen wird offensichtlich, da die unvermeidlichen normativen Hypothesen einer wissenschaftlichen Beweisführung nicht zugänglich sind. Dies gilt auch, wenn man sich auf die in Geldeinheiten direkt bewertbaren Bedürfnisbefriedigungsmittel beschränkt; denn die daraus resultierende Wohlfahrt hängt von den individuellen Nutzenfunktionen ab. Hinzu kommen Probleme bei der Zusammenfassung von Einkommens-, Vermögens- und Absicherungsindikatoren zu einem individuellen Gesamtwohlfahrtsmaß, um einem eindimensionale Wohlfahrtsverteilung unter allen Gesellschaftsmitgliedern ermitteln zu können. Schließlich bedarf es auch bei der Zurechnung der in einern Haushalt vorhandenen Bedürfnisbefriedigungsmittel auf die einzelnen Haushaltsmitglieder normativer Setzungen, die sich in verschiedenen Äquivalenzskaien niederschlagen. In einem zweiten Teil werden - nach der grundsätzlichen Erörterung von Schwierigkeiten bei der Operationalisierung und Messung von Nutzen - einige Ungleichheitsmaße dargestellt und hinsichtlich ihrer normativen Implikationen diskutiert. Alle Verteilungsindikatoren basieren auf der Philosophie des individualistischen Utilitarismus und gehen von Gleichverteilung als Referenzpunkt aus. Die Frage nach dem Einfluß der Wohlfahrt anderer Gesellschaftsmitglieder auf den individuellen Nutzen bleibt also ebenso ausgeklammert wie die nach einem gerechten Maß an Ungleichheit als Vergleichspunkt zur gegebenen Ungleichheit. Abschließend wird die Entwicklung einiger Verteilungsindikatoren in der Bundesrepublik Deutschland von 1962/63 bis 1988 dargestellt. Dabei zeigt sich eine weitgehende Stabilität der Verteilung der Nettoäquivalenzeinkommen, die allerdings nicht mit der Verteilung individueller Wohlfahrt gleichzusetzen ist.
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This paper deals with fundamental problems of measuring welfare and its distribution. It is attempted to forge links between economic and sociological approaches. In a first part problems of utility measurement are discu
This paper deals with fundamental problems of measuring welfare and its distribution. It is attempted to forge links between economic and sociological approaches. In a first part problems of utility measurement are discussed. As there is neither a natural zero point nor a natural unit of measurement for individual utility, they must be set by conventions. Moreover, even the objective and subjective components of welfare have to be defined at first by some normative determinations. Starting from the sociological concept of "welfare" and "happiness" a catalog of individual needs and wants is developed which partly can be measured "objectively with regard to special hypotheses" - this is true for the welfare components of "having" - but mostly are measurable "subjectively by perception" (community and family attachment etc., self-determination and social factors as peace, justice, absence of discrimination etc.). It is shown that all empirical welfare analyses are conditional and limited because there is no method of scientific reasoning about the necessarily involved normative hypotheses. This applies also to necessities which can be valued in monetary terms; for one has to assurne some utility function when interpreting income, for example, in terms of welfare. Further weighting problems arise in the context of aggregating the monetary indicators of "having" income, property, social security. Last but not least the distribution of household means to individuals again requires normative settings which result in quite distinct equivalence scales. After these fundamental reflections about individual welfare and utility, respectively, some inequality indicators are presented in a second part and discussed with regard to their normative implications. All these indicators refer to the philosophy of individualistic utilitarism and to equal distribution as reference point. So, any relation between individual welfare and the welfare of other people is neglected, and the question ab out a legitimate degree of inequality to be compared with empirical inequality is not considered. Finally, some empirical results about the development of income inequality in the Federal Republic of Germany from 1962/63 to 1988 are presented. The distribution of net equivalent income appears to be quite stable; but this result should not be interpreted in terms of welfare distribution.
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Metadaten
Author:Richard Hauser
URN:urn:nbn:de:hebis:30-79472
Series (Serial Number):Arbeitspapiere des EVS-Projekts Personelle Einkommensverteilung in der Bundesrepublik Deutschland (07)
Document Type:Working Paper
Language:German
Date of Publication (online):2010/12/21
Year of first Publication:1996
Publishing Institution:Univ.-Bibliothek Frankfurt am Main
Release Date:2010/12/21
Note:
In überarbeiteter Version auch erschienen als: Hauser, Richard (1996): Zur Messung individueller Wohlfahrt und ihrer Verteilung. In: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Wohlfahrtsmessung - Aufgabe der Statistik im gesellschaftlichen Wandel, Band X der Schriftenreihe Forum der Bundesstatistik, Stuttgart
HeBIS PPN:229849016
Institutes:Wirtschaftswissenschaften
Dewey Decimal Classification:330 Wirtschaft
Sammlungen:Universitätspublikationen
Licence (German):License Logo Veröffentlichungsvertrag für Publikationen

$Rev: 11761 $