Zu den Pflanzenarten, die ihr ursprüngliches Areal durch den Einfluss des Menschen erheblich
ausdehnen, muss neuerdings auch das Dänische Löffelkraut (Cochlearia danica L.) gezählt
werden. Die bislang als typische Küstensippe geltende Art dringt seit etwa 20 Jahren in zunehmendem
Maße entlang der Autobahnen und Bundesstraßen ins Binnenland vor. DUNKEL (1987)
verwendet die treffende Bezeichnung „Straßenrandhalophyt“ und weist auf Parallelen zum Gewöhnlichen
Salzschwaden (Puccinellia distans) hin, der ein ähnliches Verhalten zeigt und dessen
Ausbreitung an mit Streusalz behandelten Verkehrswegen in der Bundesrepublik seit etwa
1973 beobachtet wird (SEYBOLD 1973). Beide halophilen Arten profitieren von der Schädigung
der Straßenrandvegetation durch die Salzbeeinflussung und nutzen als konkurrenzschwache
Sippen dies für ihr eigenes Wachstum aus. Cochlearia danica benötigt für eine dauerhafte Ansiedlung
eine turnusmäßige Dynamik des Standortes, wobei neben den Tausalzen auch die Mahd
und das Abfräsen der Randstreifen von Bedeutung sind. Dabei scheint die Salzkonzentration der
Bodenlösung nicht der entscheidende Faktor zu sein, denn diese kann, wie aus eigenen Beobachtungen
abzuleiten ist, gegen Null tendieren. Für die Küstenstandorte wird von KOCH (1996)
ein Optimumwert von 0,4 % Chloridionen im Bodenwasser angegeben.
Cochlearia danica ist in Europa an den Küsten des Atlantiks, der Nord- und Ostsee bis zum
61. Grad nördlicher Breite auf wechselhalinen und wechselfeuchten Standorten (KOCH 1996),
insbesondere in lückigen Strandrasen, auf sandigen bis tonigen Salzwiesen und an Grabenrändern
anzutreffen (ROTHMALER et al. 2005). Die Vorkommen an den deutschen Küsten werden
bei ROTHMALER et al. (2005) für Niedersachsen, Schleswig-Holstein und NW-Mecklenburg
(Wismarbucht) als zerstreut und für NO-Mecklenburg (Hiddensee) als selten eingestuft
(vgl. BENKERT et al. 1996).