Panta rhei = Alles fließt. Mit diesem Ausspruch bekräftigte der griechische Philosoph HERAKLITOS
(514–483 v. u. Z.) seine Erkenntnis, dass sich alle Erscheinungen in immerwährender
Veränderung befinden. Dies gilt sowohl für den Makrokosmos als auch für den Mikrokosmos.
Das Naturgesetz der immerwährenden Veränderung gilt somit auch für die Lebensgemeinschaften
unserer Naturschutzgebiete. Wenn wir die Pflanzen- und Tiergemeinschaften in diesen
Gebieten schützen wollen, so sollten wir uns immer bewusst sein, dass unsere Schutzobjekte
einem ständigen Wandel unterliegen. Dieser Veränderungsprozess vollzieht sich
naturgemäß unterschiedlich schnell, ist aber nicht aufzuhalten.
Beispiele für Vegetationsdynamik sind in der pflanzensoziologischen Literatur außerordentlich
zahlreich. Schon AICHINGER äußerte sich 1954 ausführlich über statische und dynamische
Betrachtung in der pflanzensoziologischen Forschung. Allein an der Universität Halle fanden
mehrere internationale Symposien zu Fragen der Vegetationsveränderungen statt (SCHUBERT
& SCHUH 1980, SCHUBERT & HILBIG 1987). Auch in der Gegenwart wird in mehreren Forschungsvorhaben
über Vegetationsveränderungen unter dem Gesichtspunkt unterschiedlicher
Zeithorizonte intensiv gearbeitet. Durch die Einflussnahme des Menschen auf den Naturhaushalt
und globale Veränderungen des Klimas auf unserer Erde gewinnt diese Forschung immer
mehr an Aktualität.