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Selbstkontrolle als volitionale Kompetenz im Vorschulalter : Vergleich unterschiedlicher kultureller Gruppen mit Hilfe der Sanduhraufgabe
(2012)
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Anna Neubauer
- Schulkinder mit einem türkischen Migrationshintergrund zeigen im deutschen Bildungssystem einen spezifischen Leistungsnachteil: Während der Leistungsnachteil von Schulkindern mit einem Migrationshintergrund aus anderen Ländern durch Hintergrundvariablen wie beispielsweise dem SES aufklärbar ist, ist der Leistungsabstand zwischen Schulkindern mit einem türkischen Migrationshintergrund und Schulkindern ohne Migrationshintergrund nicht nur stärker ausgeprägt, sondern zudem nicht durch die bisher betrachteten Hintergrundvariablen aufklärbar. Daher erscheint die Suche nach Gründen für diesen spezifischen Leistungsnachteil bei Prozessen des vorschulischen Kompetenzerwerbs notwendig.
Eine Voraussetzung für schulischen Erfolg ist Selbstkontrolle, also die Fähigkeit, eine Handlungstendenz für das Erreichen eines anderen Zieles zu unterdrücken. Kinder, die bereits im Kindergartenalter eine gut ausgeprägte Selbstkontrolle aufweisen, zeigen in ihrem späteren Leben bessere Schulleistungen als Kindergartenkinder mit einer geringeren Fähigkeit zur Selbstkontrolle. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle könnte bei Kindern mit einem türkischen Migrationshintergrund durch kultur- und/oder migrationsspezifische Faktoren geringer sein als die von Kindern ohne Migrationshintergrund. Als kulturspezifischer Faktor ist beispielsweise eine geringere Bewertung von Selbstkontrolle im türkischen Erziehungssystem möglich; als migrationsspezifischer Faktor kommt eine Verminderung der Selbstkontrolle durch migrationsbedingte Stressoren in Betracht.
Daher war die zentrale Frage der vorliegenden Dissertation, ob Kindergartenkinder mit einem türkischen Migrationshintergrund eine geringere Selbstkontrolle zeigen als Kindergartenkinder ohne Migrationshintergrund. Ein bewährtes Paradigma zur Erfassung von Selbstkontrolle bei Kindergartenkindern ist der Belohnungsaufschub, die Fähigkeit auf eine sofortige, kleinere Belohnung zugunsten einer späteren aber größeren Belohnung zu verzichten. In einer Literaturübersicht (Artikel 1) wurde sich mit verschiedenen Paradigmen zur Erfassung des Belohnungsaufschubes beschäftigt. Dabei wurden Probleme in der konvergenten Validität der bestehenden Methoden festgestellt. Das Warteparadigma scheint den Belohnungsaufschub im Kindergartenalter am adäquatesten zu erfassen, zeigt jedoch nur eine geringe Re-Test Reliabilität. Aus diesem Grund wurde eine neue Variante der klassischen Warteaufgabe, die Sanduhraufgabe, auf ihre prognostische Validität und Re-Test Reliabilität geprüft (Artikel 2). Die Sanduhraufgabe, gemessenen im Kindergartenalter, besitzt eine ausreichende Re-Test Reliabilität und Vorhersagekraft für mathematische Kompetenzen und Verhaltensauffälligkeiten am Ende der ersten Klasse.
Mit dieser Aufgabe wurde die zentrale Frage der vorliegenden Dissertation, ob Kindergartenkinder mit einem türkischen Migrationshintergrund eine geringere Selbstkontrolle zeigen als Kindergartenkinder ohne Migrationshintergrund, untersucht (Artikel 3). Zur Differenzierung zwischen kultur- und migrationsspezifischen Faktoren wurde hierbei die Selbstkontrollfähigkeit von Kindergartenkindern mit unterschiedlichem Migrationshintergrund (türkisch vs. andere) verglichen sowie die von deutschen und türkischen Kindern ohne Migrationshintergrund. Die in Deutschland untersuchten Gruppen (ohne Migrationshintergrund, türkischer Migrationshintergrund und Migrationshintergrund aus anderen Ländern) unterschieden sich nicht in ihrer Selbstkontrolle. Damit scheint der spezifische Leistungsnachteil von Kindern mit einem türkischen Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem nicht durch vorschulische Unterschiede in der Fähigkeit zur Selbstkontrolle erklärbar zu sein. Allerdings wiesen die türkischen Kinder ohne Migrationshintergrund eine geringere Selbstkontrolle auf als die deutschen Kinder ohne Migrationshintergrund. Die Ergebnisse wurden bezüglich ihrer Aussagekraft über mögliche kultur- und migrationsspezifische Einflussfaktoren auf die Selbstkontrolle von Kindergartenkindern diskutiert.
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Kognitive und emotionale Selbstregulation bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-, Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
(2011)
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Kathrin Schmitt
- Basierend auf dem im Wissenschaftskontext diskutierten Postulat, dass ADHS-Symptomatiken auf Defizite in der Selbstregulation zurückzuführen sind, befasst sich die vorliegende Arbeit auf theoretischer und empirischer Ebene mit verschiedenen Facetten kognitiver und emotionaler Selbstregulation bei Kindern mit ADHS.
In diesem Zusammenhang wurde unter Verwendung eines computerbasierten Task-Switching-Paradigmas die kognitive Flexibilität von Kindern mit und ohne ADHS in den Blick genommen. Hierbei zeigte sich, dass die Bewältigung des flexiblen Aufgabenwechsels vergleichsweise höhere Anforderungen an die ADHS-betroffenen Kinder stellt. So ließen sich im Task-Switching-Paradigma zwar bezüglich der generellen Wechselkosten keine Gruppenunterschiede auffinden. Jedoch wurden für die ADHS-betroffenen Kinder signifikant höhere spezifische Wechselkosten aufgefunden als für die Kontrollkinder. Dieser Gruppenunterschied war auch dann zu beobachten, wenn Differenzen in der Inhibitionsleistung statistisch kontrolliert wurden.
Im Rahmen einer weiteren Untersuchung, bei welcher der Fragebogen zur Erhebung der Emotionsregulation bei Kindern und Jugendlichen (FEEL-KJ; Grob & Smolenski, 2005) zum Einsatz gebracht wurde, wurde zudem überprüft, ob sich Kinder mit und ohne ADHS im Hinblick auf die von ihnen im Alltag angewandten Strategien der Emotionsregulation unterscheiden. Zusammengenommen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Kinder mit ADHS zur Regulation ihrer negativen Emotionen vergleichsweise seltener von adaptiven Strategien Gebrauch machen, während sich im berichteten Gebrauch von maladaptiven Strategien keine Gruppenunterschiede zeigten. Des Weiteren wurde deutlich, dass diejenigen ADHS-betroffenen Kinder, die in ihrem Alltag besonders selten adaptive Emotionsregulationsstrategien einsetzen, auch besonders stark unter psychosozialen Beeinträchtigungen leiden.
Schließlich wurde in einer anwendungsorientierten Studie untersucht, welchen Beitrag der kombinierte Einsatz selbstberichtsbezogener und computergestützter Messungen der Selbstregulation zur Absicherung von ADHS-Diagnosen leistet. Hierbei wurden im Rahmen von ROC-Analysen für (1.) eine computerbasierte GoNoGo-Aufgabe, (2.) die Impulsivitätsskala des Inventars zur Erfassung von Impulsivität, Risikoverhalten und Empathie bei 9- bis 14-jährigen Kinder (IVE; Stadler, Janke & Schmeck, 2004) und (3.) den z-transformierten Summenwert aus beiden Verfahren die jeweilige diagnostische Sensitivität und Spezifität bestimmt. Dabei konnte nur für das kombinierte Messverfahren ein klinischer Cut-Off-Wert bestimmt werden, der eine perfekte Sensitivität bei gleichzeitig zufrieden stellender Spezifität gewährleistete. Folglich belegen die Studienergebnisse insgesamt gesehen, dass selbstregulationsbezogene Messverfahren einen Beitrag zur ADHS-Diagnosestellung leisten können, wobei eine Kombination mehrerer Messverfahren zu einer deutlich gesteigerten Diskriminationsfähigkeit führt.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass den Ergebnissen der vorliegenden Dissertationsschrift folgend ADHS als eine Störung der Selbstregulation beschrieben werden kann. Im Speziellen unterstützen die gewonnenen Befundmuster die in der Forschung zunehmend diskutierte Auffassung, dass ADHS auf divergente Selbstregulationsdefizite zurückzuführen ist, die sich sowohl auf die kognitiven als auch auf die emotionalen Facetten der Selbstregulation beziehen. Dieses Wissen kann aus anwendungsbezogener Perspektive einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der diagnostischen und therapeutischen Praxis leisten.
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Akademisches Selbstkonzept im Grundschulalter : Entwicklungsanalyse dimensionaler Vergleiche und Exploration differenzieller Unterschiede
(2012)
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Jan-Henning Ehm
- Thema der vorliegenden Dissertation sind Einflussfaktoren und individuelle Unterschiede im
akademische Selbstkonzept von Grundschülern. Das erste Kapitel thematisiert die Bestimmung
des Selbstkonzepts, gibt einen Überblick über die theoretischen Wurzeln und beleuchtet
unterschiedliche Selbstkonzeptmodelle. Das zweite Kapitel geht auf die Selbstkonzeptentwicklung
ein und hebt dabei insbesondere das Internal/External-Frame-of-Reference
Modell (I/E-Modell; Marsh, 1986) hervor, welches das Zusammenwirken von externalen
(sozialen) und internalen (dimensionalen) Vergleichsprozessen bei der Selbsteinschätzung
beschreibt. Auf Basis des I/E-Models werden in Studie 1 das akademische Selbstkonzept
und die Schulleistung von Schülern der 1. bis 3. Klassenstufe miteinander in Beziehung
gesetzt. Im Zentrum steht dabei die Frage, ab welcher Klassenstufe dimensionale Kontrasteffekte
auftreten und welchen Einfluss die Lese-, Rechtschreib- und Mathematikleistung auf
die korrespondierenden und nicht korrespondierenden Selbstkonzeptfaktoren haben. Es
zeigen sich signifikant negative Pfade von der mathematischen Leistung auf das verbale
Selbstkonzept und negative Pfade von der Leseleistung auf das mathematische Selbstkonzept
ab der 3. Klasse. Ein Kontrasteffekt innerhalb der verbalen Domäne (Lesen und Schreiben)
kann hingegen bei keiner der untersuchten Klassenstufen aufgezeigt werden.
Die zweite und dritte empirische Studie fokussieren mögliche Gruppenunterschiede im
akademischen Selbstkonzept anhand bestimmter Schülermerkmale. In Studie 2 wird dabei
geprüft, ob sich zwischen Jungen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund Unterschiede
im verbalen und mathematischen Selbstkonzept finden lassen. Kinder mit Migrationshintergrund
zeigen trotz schlechterer schulischer Leistungen im Lesen und in Mathematik
in diesen Bereichen ein höheres Selbstkonzept als Kinder ohne Migrationshintergrund.
Auch findet sich bereits in der ersten Klasse unter Jungen ein optimistischeres mathematisches
und unter Mädchen ein optimistischeres verbales Selbstkonzept. Dies spiegelt sich
auch in den tatsächlichen Leistungen der Kinder sowie den Lehrereinschätzungen wider.
In Studie 3 wird geprüft, ob Kinder mit ADHS-Symptomen ein positiv illusorisches
akademisches Selbstkonzept (Positive Illusory Bias, Hoza et al., 2002) haben. Es zeigt sich,
dass zwar Kinder mit ADHS-Symptomen im Vergleich zu Kindern ohne ADHS-Symptome
ihre Leistungen deutlich stärker überschätzen, allerdings nur, wenn keine Kontrolle des
Schulleistungsniveaus erfolgt. Zudem schätzen sich Kinder mit ADHS-Symptomen in dem
Leistungsbereich am besten ein, in dem sie auch am besten abschneiden. Der Positive
Illusory Bias scheint also nicht spezifisch für die ADHS zu sein.
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Wirkfaktoren in der kognitiven Therapie der Sozialen Phobie
(2011)
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Katrin von Consbruch
- Soziale Phobie gilt als eine der am weitesten verbreiteten psychischen Störungen (Wittchen &
Fehm, 2003; Magee et al., 1996). Obgleich zahlreiche Interventionsansätze zur Behandlung
der sozialen Ängste zur Verfügung stehen, gibt es viele Betroffene, die nicht von den
Behandlungsmöglichkeiten profitieren oder nach einer Therapie Rückfälle erleben. Aus
diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Weiterentwicklung von
Psychotherapie bei Sozialer Phobie. Sie greift verschiedene Forschungsperspektiven auf, um
aktive Wirkfaktoren im therapeutischen Prozess zu identifizieren und für zukünftige
Behandlungen nutzbar zu machen.
Publikation 1 (Consbruch & Stangier, 2007) gibt einen Überblick über den aktuellen
Forschungsstand bzgl. der Diagnostik, Ätiologie und Therapie bei Sozialer Phobie. Die in
dieser Publikation dargestellten Forschungsarbeiten zur Behandlung sozialer Ängste
vergleichen die therapeutische Wirksamkeit unterschiedlicher Therapieansätze und suchen so
nach spezifischen Wirkfaktoren in der Behandlung Sozialer Phobien. Es zeigt sich, dass die
kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung am häufigsten untersucht wurde und dass sich
ihre Effektivität durch die Berücksichtigung von Prozessen, die nach Clark und Wells (1995)
an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Sozialen Ängste beteiligt sind, erheblich
verbessern lässt.
Publikation 2 (Stangier, Consbruch, Schramm & Heidenreich, 2010) verlässt die
ausschließlich an spezifischen Wirkmechanismen interessierte Forschungsperspektive und
wendet sich der Frage nach dem Zusammenspiel von spezifischen und allgemeinen
Wirkfaktoren zu. Sie vergleicht das Ausmaß der Aktivierung von allgemeinen Wirkfaktoren
nach Grawe (1995) sowie deren Einfluss auf das Therapieergebnis in einer kognitiven
Verhaltenstherapie (N=29) und einer interpersonellen Therapie (N=33). Die Ergebnisse
zeigen, dass Therapeuten in der Interpersonellen Psychotherapie die Aktivierung von
Bewältigung, Ressourcenorientierung und Motivationaler Klärung geringer einschätzten als
Therapeuten in der kognitiven Verhaltenstherapie, während sie bezüglich der
Problemaktivierung und der Güte der therapeutischen Beziehung keine Unterschiede angaben.
Stärkere Ressourcenaktivierung stand in beiden Therapieansätzen mit besseren Therapieergebnissen in Beziehung, während höhere Problemaktualisierung nur in KVTBehandlungen
zu verbessertem Outcome beitrug. Da die Ressourcenaktivierung in der KVTBedingung
stärker ausgeprägt war als in der IPT-Bedingung, lassen sich die Ergebnisse so
interpretieren, dass die Problemaktualisierung nur dann zu positiveren Therapieergebnissen
führt, wenn sie durch ausreichende Ressourcenaktivierung gestützt wird. Die Studie legt somit
nahe, dass spezifische Behandlungsansätze allgemeine Wirkfaktoren, die einen Einfluss auf
das Therapieergebnis haben, in unterschiedlichem Maße nutzen.
Durch das Fehlen von Angaben zur Therapieintegrität bleibt jedoch offen, welche Rolle
individuelles Therapeutenverhalten bei der Aktivierung der allgemeinen und spezifischen
Wirkfaktoren spielt.
Um zukünftig die Therapieintegrität in der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung
von Sozialer Phobie sicherstellen zu können, wurde die Cognitive Therapy Competence Scale
for Social Phobia (CTCS-SP) entwickelt, deren psychometrische Eigenschaften in
Publikation 3 (Consbruch, Clark & Stangier, in press) dargestellt werden. Zur Bestimmung
der Beobachterübereinstimmung wurden 161 Therapiesitzungen von jeweils 2 Ratern mit der
CTCS-SP beurteilt. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung demonstrieren eine gute
interne Konsistenz und gute Interraterreliabilität der Skala, wobei erstmals auch individuelle
Items mit ausreichender Reliabilität gemessen werden konnten. Mit der CTCS-SP steht somit
ein reliables Messinstrument zur Erfassung therapeutischer Kompetenz in der kognitivverhaltenstherapeutischen
Behandlung der Sozialen Phobie zur Verfügung, welches – bei
noch zu prüfender Validität - vielfältig eingesetzt werden kann, um die Erforschung
spezifischer und allgemeiner Wirkfaktoren in der kognitiv-verhaltenstherapeutischen
Behandlung Sozialer Phobien zu vertiefen.
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Prozess und Outcome der kognitiven Therapie sozialer Phobien
(2012)
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Denise Ginzburg
- Die Soziale Phobie ist eine weit verbreitete Störung, die ohne geeignete Therapie einen
chronischen Verlauf annimmt und bei den Betroffenen zu einem hohen Leidensdruck führt.
Für die Behandlung stehen sowohl pharmakologische als auch psychotherapeutische
Therapieansätze zur Auswahl (siehe Heinrichs, Stangier, Gerlach, Willutzki, & Fydrich,
2011). Eine Reihe von randomisierten kontrollierten Studien belegen, dass die kognitive
Therapie zu den effektivsten Behandlungsmethoden zählt. Die vorliegende Dissertation
konzentriert sich auf unterschiedliche Aspekte, die die Dissemination dieses Ansatzes
verbessern sollen. In einer Übersichtsarbeit (Ginzburg & Stangier, im Druck) wird
zunächst ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Diagnostik und Therapie der
Sozialen Phobie gegeben. Die Ergebnisse aktueller Metaanalysen zur Behandlung werden
kritisch diskutiert. Besondere Beachtung wird dem kognitiven Therapieansatz nach Clark und
Wells (1995) geschenkt, der mit sehr hohen Effektstärken beeindruckt. Diese Therapie wurde
in mehreren randomisiert-kontrollierten Studien untersucht und zeigte sich Therapieformen
wie der Interpersonellen Therapie (Stangier, Schramm, Heidenreich, Berger, & Clark, 2011;
Mörtberg, Clark, Sundin, & Aberg, 2007), medikamentöser Therapie (Clark et al., 2003) oder
Entspannungsverfahren (Clark et al., 2006) deutlich überlegen. Neueste Forschungsbefunde
zu den einzelnen Komponenten dieser Therapie werden im Hinblick auf ihre
aufrechterhaltende Funktion sozialer Ängste und ihrer Effektivität diskutiert.
In einer zweiten Publikation (Ginzburg, Bohn, Stangier & Steil 2011) wird der
kognitive Ansatz nach Clark und Wells auf eine komplexe, mit starker körperlicher
Symptomatik verbundene Form der Sozialen Phobie, angewendet und evaluiert. Paruresis
(Williams & Degenhardt, 1954) bezeichnet die Angst, auf öffentlichen Toiletten zu urinieren,
und geht mit einem psychogenen Harnverhalt (Hammelstein, Pietrowsky, Merbach, &
Brahler, 2005; Soifer, Nicaise, Chancellor, & Gordon, 2009) einher. Publikation 2
dokumentiert, wie das kognitive Modell nach Clark und Wells (1995) bei Betroffenen mit
starken körperlichen Symptomen angewendet werden kann. In dem theoretischen Teil der
Arbeit wird auf die Notwendigkeit einer genauen Operationalisierung der mit dem
Störungsmodell verknüpften Interventionen hingewiesen und anhand einer Falldarstellung
veranschaulicht. Für die Praxis ergibt sich die Konsequenz, dass das kognitive Modell einen
flexible Fallkonzeption und Behandlungsplanung ermöglicht und auch auf untypische
Behandlungsfälle übertragbar ist.
Die flexible und kompetente Umsetzung von Interventionen spielt allerdings nicht nur
bei komplexen Fällen eine Rolle. Im Rahmen der Psychotherapieprozessforschung ist der Therapeutenfaktor bei der Umsetzung der Therapiemethode und ihrer Interventionen von
großer Bedeutung und beeinflusst maßgeblich die Effektivität der Behandlung
(Perepletchikova & Kazdin, 2005). In randomisiert-kontrollierten klinischen Studien wird ein
großes Augenmerk auf die Behandlungsintegrität, d.h. die Umsetzung von
Behandlungsvorgaben durch den Therapeuten (Waltz, Addis, Koerner, & Jacobson, 1993;
Weck, Bohn, Ginzburg, & Stangier, 2011), gelegt. Bislang liegen jedoch noch keine
gesicherten Hinweise vor, ob die manualgetreue Durchführung der Interventionen an sich
(Adhärenz), oder auch die kompetente Anpassung dieser Interventionen an den jeweiligen
Behandlungskontext (Kompetenz), zu besseren Ergebnissen in der kognitiven Therapie
sozialer Phobien führt. In Studie 3 (Ginzburg, Bohn, Weck, Clark und Stangier,
submitted) wird der Einfluss von Adhärenz und Kompetenz auf das Therapieergebniss bei
Patienten mit Sozialer Phobie überprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere Kompetenz,
nicht jedoch Adhärenz, bei der Anwendung der vorgesehenen Interventionen auch mit einem
besseren Behandlungserfolg einhergeht. Von besonderer Bedeutung für die Vorhersage des
Therapieerfolges waren spezifisch verhaltenstherapeutische Kompetenzen.
Obwohl Adhärenz und Kompetenz des Therapeuten die Effektivität von
Psychotherapie signifikant beeinflussen, gehen vergleichsweise nur wenige Studien dieser
Fragestellung nach (Perepletchikova, Treat, & Kazdin, 2007). Der hierfür notwendige hoher
Zeit- und Kostenaufwand ist eine der wesentlichen Ursachen hierfür (Perepletchikova, Hilt,
Chereji, & Kazdin, 2009). Um Adhärenz und Kompetenz reliabel und valide einschätzen zu
können, sind Audio- bzw. Videoanalysen von Therapiesitzungen durch unabhängige und
trainierte Beurteiler die Methode der Wahl. Die Reduktion des Zeitaufwandes durch die
Konzentration auf relevante Videoausschnitte könnte zu einer Verbesserung der
Rahmenbedingungen für die Psychotherapieforschung darstellen. In Studie 3 (Weck, Bohn,
Ginzburg und Stangier, 2011) wird untersucht, ob therapeutische Adhärenz und Kompetenz
auch auf der Grundlage von Sitzungsausschnitten reliabel erfaßt werden kann und den
Therapieerfolg vorhersagen kann. Beim Vergleich von zwei Ratingmethoden zeigte sich, dass
die genauesten Aussagen anhand der Analyse einer ganzen Sitzung getroffen werden konnten.
Zusätzlich zeigten jedoch auch die Kompetenz- und Adhärenz-Einschätzungen des mittleren
Sitzungsausschnittes einen hohen Zusammenhang zu den Ratings der Gesamtsitzung. Hieraus
kann die Schlußfolgerung gezogen werden, dass die Analyse von Sitzungsausschnitten eine
ökonomische Alternative zu der bisherigen Forschungspraxis darstellen kann, vollständige
Sitzungen zu untersuchen.
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Der Einfluss von Werten und Unwerten auf das Erleben und Verhalten von Führungskräften und Mitarbeitern
(2012)
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Matthias Michael Graf
- Werte sind zentraler Bestandteil der persönlichen wie sozialen Identität und spielen eine
wichtige Rolle für das menschliche Erleben und Verhalten. Bisher wurden Werte aber immer
nur als normative Richtlinien oder motivationale Grundlagen verstanden, an denen sich
Personen bewusst orientieren oder auf die sie sich zu bewegen. Erste Forschungsergebnisse
konnten nachweisen, dass Personen unabhängig davon auch von Unwerten geleitet werden, an
denen sie sich bewusst nicht orientieren oder von denen sie sich wegbewegen (Van
Quaquebeke, Kerschreiter, Buxton, & van Dick, 2010). Vor diesem Hintergrund stellen die
zentralen Ziele dieser Dissertation die theoretische Herleitung der Trennung von Werten und
Unwerten und der praktische Nachweis des Einflusses beider Werteorientierungen auf das
menschliche Erleben und Verhalten dar.
In dem ersten Manuskript, das dieser Dissertation zugrunde liegt, erfolgte die konzeptionelle
Herleitung und Trennung von Werten und Unwerten. Durch das Aufzeigen des theoretischen
Ursprungs beider Werteorientierungen konnten explizite Hypothesen zu ihrer Trennung und
unabhängigen Wirkung, vor allem in organisationalen- und Führungs-Kontexten, hergeleitet
und aufgestellt werden. In dem zweiten Manuskript konnte in zwei Feldstudien (N1 = 131 und
N2 = 136) aufgezeigt werden, dass sich Werte und Unwerte empirisch tatsächlich voneinander
unterscheiden lassen und unterschiedliche Einflüsse auf die Wahrnehmung ihrer Mitarbeiter
und die Ausmaße an Identifikation und Respekt haben. In dem dritten Manuskript konnte in
einer Feldstudie (N1 = 95) und einer Szenariostudie (N2 = 137) nachgewiesen werden, dass
ideale Werte, die durch Führungskräfte verkörpert werden, darüber hinaus die Wahrnehmung
ihrer Mitarbeiter und die Ausmaße an Identifikation und Anerkennung positiv beeinflussen.
Das gilt besonders für interne Führungskräfte, die die Mitarbeiter schon länger führen und als
Teil der Arbeitsgruppe angesehen werden.
Insgesamt weist diese Dissertation auf die Bedeutung einer differenzierten Darstellung und
Betrachtung von Werteorientierungen und Wertesystemen hin und liefert mit der Einführung
von Unwerten in die (organisationale) Forschung einen wichtigen Beitrag zur Erforschung
ihres Einflusses auf das Erleben und Verhalten von Führungskräften und Mitarbeitern.
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Wiederholtes Lernen und Erinnern von verbal enkodierten und ausgeführten Handlungen
(2012)
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Tanja Schatz
- Gedächtnisaspekte, die auch mit zunehmendem Alter stabil und zuverlässig bleiben, sind in heutiger Forschung von besonderem Interesse. Studien im Bereich des Gedächtnisses für einfache Handlungen konnten zeigen, dass dieses Itemmaterial besser erinnert wird, wenn es während der Einprägephase motorisch ausgeführt wird (vgl. z.B. Knopf, 1995) im Gegensatz zum rein verbalen Einprägen vergleichbaren Materials. Dieser Gedächtnisvorteil des handelnden Enkodierens, der so genannte Handlungseffekt, ist auch bei älteren Probanden zu beobachten. Da der Handlungseffekt altersübergreifend vergleichbar groß ist, erreichen Ältere auch bei handelndem Enkodieren nicht das Leistungsniveau Jüngerer (Alterseffekt, z.B. Knopf, 2005).
Die vorliegende Arbeit beschäftigte sich vor allen Dingen mit der Frage, ob die Gedächtnisleistung nach handelndem und verbalem Enkodieren bei einer Wiederholung der Lernaufgabe mit jeweils neuem Lernmaterial noch gesteigert werden kann. Dabei wurden mögliche enkodiertypabhängige sowie altersabhängige Leistungsunterschiede untersucht. Weiterhin wurde geprüft, ob eine beobachtete Leistungssteigerung nach wiederholtem Lernen mit jeweils neuem Lernmaterial auch nach einem halben Jahr noch zu beobachten ist. In zwei zusätzlichen Fragestellungen wurde theoretischen Erklärungen des Handlungseffektes nachgegangen, indem die seriellen Positionskurven sowie der zeitliche Verlauf des Abrufes untersucht wurden.
Zur Untersuchung der Fragestellungen wurden verschiedene Studien mit Jüngeren und Älteren durchgeführt. Das Lernmaterial bestand aus Serien von einfachen Handlungsphrasen, welche entweder durch Ausführen oder verbal enkodiert und in unmittelbaren freien Erinnerungstests reproduziert wurden. Zur Untersuchung einer möglichen Leistungssteigerung nach Wiederholung der Lernaufgabe mit jeweils unterschiedlichem Material wurden vier Termine in wöchentlichem Abstand angesetzt. Um die Stabilität der Leistung nach einem halben Jahr zu untersuchen, wurde ein fünfter Messzeitpunkt realisiert.
Die Ergebnisse zeigen eine Replikation von Handlungs- und Alterseffekt (Knopf, 2005). Eine Wiederholung der Aufgabe mit jeweils neuem Lernmaterial führt unabhängig vom Alter der Teilnehmer oder der Enkodierbedingung zu einer ähnlichen Steigerung der Gedächtnisleistung, die auch nach einem halben Jahr noch nachweisbar ist. Die Untersuchungen der seriellen Positionskurven des Abrufes zeigen, dass nach handelndem Enkodieren vor allen Dingen die letzten Items der zu lernenden Itemserie eine erhöhte Erinnerungswahrscheinlichkeit haben. Auch der Alterseffekt scheint eher in den letzteren seriellen Positionen einer Itemserie begründet zu sein, wobei diese Positionen bei verbalem und handelndem Enkodieren unterschiedlich sind. Die Leistungssteigerung zeigt sich bei beiden Enkodierbedingungen in einer signifikanten Steigerung der mittleren Positionen der seriellen Positionskurven, beim verbalen Enkodieren zusätzlich in einer Steigerung der letzen Positionen. Demnach führen bei den beiden Enkodierbedingungen unterschiedliche Veränderungen zum Leistungsanstieg. Bei der Betrachtung des zeitlichen Verlaufes des Abrufes kann zudem gezeigt werden, dass der Abruf nach handelndem Enkodieren schneller abzulaufen scheint.
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Qualitative Rechtschreibdiagnostik in der Sekundarstufe I : zur empirischen Identifikation von Entwicklungsniveaus auf Basis der Definition der Lauttreue nach Reuter-Liehr
(2011)
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Rebekka Martinez Méndez
- Ausgehend von dem sprachsystematischen und entwicklungsorientierten Therapiean-satz nach Reuter-Liehr (1993, 2008) wurde aufbauend auf der Definition der Lauttreue ein Entwicklungsstufenmodell formuliert. Dessen Gültigkeit wurde in der vorliegenden Arbeit an einer Stichprobe von 367 Haupt- und Gymnasialschülern der 5., 6. und 7. Klasse untersucht. Die Überprüfung der Validität erfolgte über zwei Messebenen. Zum einen wurde jede einzel-ne Laut-Buchstabenverbindung als eigenes Item betrachtet. Gemessen wurde, wie viele Laut-Buchstabenverbindungen einer bestimmten Entwicklungsstufe der Schüler korrekt geschrie-ben hat. Zum anderen erfolgte die Entwicklungsstufenanalyse auf Basis der Wortebene über die Auswertung der richtig und falsch geschriebenen Wörter. Hier bestimmt die hierarchie-schwierigste Stelle im Wort, welcher Entwicklungsstufe das Wort zugeordnet wird.
Das Entwicklungsstufenmodell gemäß der Definition der Lauttreue nach Reuter-Liehr hat sich mit Ausnahme einer Subskala ( <ie> am Ende einer Silbe, <ß> zu Beginn der Silbe) auf der Laut-Buchstabenebene als hoch valide erwiesen. Mit Hilfe der Häufigkeit des Vor-kommens des Buchstabens in der deutschen Schriftsprache sowie der Komplexität der Silben-struktur kann der Schwierigkeitsgrad eines Buchstabens oder einer Buchstabenkombination vorhergesagt werden. Eine Zusammenschau der Ergebnisse legt für die Laut-Buchstabenebene ein vierfaktorielles hierarchisches Leistungsprofil nahe, indem zwischen den Grundlegenden Phonemanalytischen Kompetenzen (GPhK), den Fortgeschrittenen Phonemanalytischen Kompetenzen (FPhK) sowie den Regel- und Speicherkompetenzen un-terschieden wird. Das mitsprechbare <ie> sowie das <ß> sind in ihrer Schwierigkeit eher mit den Regel- als mit den Phonemstellen vergleichbar. Die Ergebnisse auf Wortebene sprechen für ein Zwei-Faktoren-Modell, indem zwischen den Phonemanalytischen- (PhK = GPhK + FPhK) und den Fortgeschrittenen Rechtschreibkompetenzen (FRK = RK + SK) unterschieden wird.
Im Hinblick auf die Praxis liegt mit der Testauswertung auf der Laut-Buchstabenebene ein geeignetes Instrument für förderdiagnostische Zwecke vor. Die Entwicklungsstufenanaly-se auf Basis der korrekt und falsch geschriebenen Wörter hat sich als hoch ökonomisches und prognostisch valides Kurzauswertungsverfahren zur Identifikation von basal gestörten Recht-schreibern erwiesen.
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Geschlechtsunterschiede in Motivation und Strategiesystematik beim selbstregulierten Erlernen eines Computerprogramms
(2011)
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Constanze Beierlein
- Seit den 1980er Jahren fällt dem Computer sowohl in Beruf und Bildung als auch in der Freizeit eine wachsende Bedeutung zu (z.B. Rheinberg & Tramp, 2006). Häufig ist es für Computernutzer erforderlich, sich Computerkenntnisse selbstständig und ohne explizite Anleitung anzueignen (Richter, Naumann & Horz, 2010). Männer und Frauen erleben dabei den Umgang mit dem Computer unterschiedlich; diese Unterschiede können in Lern- und Leistungsdifferenzen resultieren (z.B. Baloğlu & Çevik, 2008). Zur Erklärung potenzieller Lern- und Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern wurde in der Arbeit das kognitiv-motivationale Prozessmodell zugrunde gelegt. Das Modell erlaubt es, Leistungsunterschiede prozessnah über die aktuelle Motivation, das Flow-Erleben und die Strategiesystematik zu erklären. In Studie 1 (N = 18) wurde ein Beobachtungssystem zur Erfassung von optimalen und suboptimalen Explorationsstrategien am Computer entwickelt. In Studie 2 (N = 33) und 3 (N = 92) wurde im Rahmen eines quasiexperimentellen Designs getestet, ob sich weibliche und männliche Studierende der Wirtschaftswissenschaften in Strategiesystematik, Motivation und Leistung beim selbstregulierten Erlernen des Programms SPSS unterscheiden. Die Teilnehmer hatten nach einer kurzen Einführung in die Benutzeroberfläche von SPSS die Aufgabe, mehrere Statistikaufgaben mit SPSS zu lösen. Die Ergebnisse der Studien erbrachten zum Teil inkonsistente Befunde: Über die Studien hinweg zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Motivation vor Beginn der Aufgabenbearbeitung. In Studie 2 ergaben sich jedoch Geschlechtsunterschiede in der aktuellen Motivation und der Strategiesystematik während des Bearbeitungsprozesses sowie in der Leistung. Frauen erreichten dabei niedrigere Werte bzw. weniger Punkte. In beiden Studien standen die aktuelle Motivation, das Flow-Erleben sowie die Strategiesystematik modellkonform in Beziehung mit der Leistung. Die Ergebnisse und die Methodik der Arbeit wurden abschließend kritisch diskutiert.
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Führung und organisationale Identifikation : theoretische Erweiterung und empirische Überprüfung eines Transfermodells
(2011)
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Sebastian C. Schuh
- Vorausgehende Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass die Identifikation von Mitarbeitern
mit Ihrer Organisation ein zentraler Prädiktor für wünschenswerte Einstellungen und
Verhaltensweisen wie Arbeitszufriedenheit, Leistung und Extrarollenverhalten ist (Riketta,
2005). Folglich entwickelte sich in den vergangenen Jahren ein zunehmendes Forschungsinteresse
an den Faktoren, die die organisationale Identifikation von Mitarbeitern beeinflussen
(Ashforth et al., 2008). Ein vielversprechender Ansatzpunkt scheint die Rolle des Führungsverhaltens
zu sein. Die selbstkonzeptbasierten Theorien der Führung postulieren, dass die
Effektivität von Führungskräften im Wesentlichen darauf beruht, dass sie die Identifikation
ihrer Mitarbeiter mit der Arbeitsgruppe oder dem Unternehmen stärken (Shamir et al., 1993;
van Knippenberg et al., 2004).
Basierend auf dieser Erkenntnis haben van Dick et al. (2007) ein Transfermodell der organisationalen
Identifikation entwickelt. Dieses geht davon aus, dass sich die organisationale
Identifikation von Vorgesetzten auf ihr Führungsverhalten auswirkt und die organisationale
Identifikation ihrer Mitarbeiter beeinflusst. Nach diesem Modell sollten die Mitarbeiter hochidentifizierter
Führungskräfte eine stärkere organisationale Identifikation aufweisen als Mitarbeiter
von weniger stark identifizierten Vorgesetzten. Die erhöhte Identifikation der Mitarbeiter
sollte wiederum positiv auf ihre Arbeitszufriedenheit, Leistung und Extrarollenverhalten
wirken. Eine Serie von querschnittlichen Feldstudien brachte erste empirische Belege für
diese Annahmen (van Dick et al., 2007; Wieseke et al., 2009). Vor diesem Hintergrund war es
das Ziel der vorliegenden Arbeit, das Transfermodell von van Dick und Kollegen (2007) weiteren
empirischen Tests zu unterziehen und theoretisch zu erweitern. Hierzu wurden drei Fragestellungen
näher untersucht:
Zunächst wurden zwei experimentelle Studien durchgeführt, um den angenommenen
kausalen Einfluss der Vorgesetzten-Identifikation auf die organisationale Identifikation der
Mitarbeiter zu testen (Manuskript 1). Die Ergebnisse der Studien stützen die Hypothese, dass
sich die organisationale Identifikation der Führungskräfte auf die Identifikation der Mitarbeiter
auswirkt. Darüber hinaus zeigte sich ein Effekt auf die Leistung der Mitarbeiter. Probanden,
die für einen hochidentifizierten Vorgesetzten arbeiteten, zeigten eine bessere Leistung
als Mitarbeiter einer weniger stark identifizierten Führungskraft.
Im zweiten Schritt der vorliegenden Arbeit wurde das Führungsverhalten untersucht, das
dem Identitätstransfer zugrunde liegt (Manuskript 2). Basierend auf den selbstkonzeptbasierten
Theorien der Führung wurde angenommen, dass es vor allem transformationale Führungsverhaltensweisen
sind, die für den Identitätstransfer verantwortlich sind. Zur Überprüfung
dieser Hypothese wurden Befragungen von Führungskräften und Mitarbeitern durchgeführt. Eine Befragung fand in Deutschland, die zweite in China statt. Wie erwartet zeigte sich,
dass transformationale Führung die Beziehung zwischen Führungskraft-Identifikation und
organisationaler Identifikation der Mitarbeiter mediierte. Zudem fand sich in der chinesischen
Stichprobe eine dreigliedrige Mediation: Transformationales Führungsverhalten und organisationale
Identifikation der Mitarbeiter mediierten in Serie den Zusammenhang zwischen der
Führungskräfte- und Mitarbeiter-Identifikation.
Das Ziel des dritten Papers war die Erweiterung des Transfermodells um die Kundenperspektive.
Es wurde angenommen, dass sich organisationale Identifikation nicht nur von Vorgesetzten
auf Mitarbeiter, sondern auch von Mitarbeitern auf ihre Kunden überträgt. Eine Befragung
von Führungskräften, Mitarbeitern und Kunden stützte diese Annahme. Neben einem
positiven Zusammenhang von Vorgesetzten- und Mitarbeiter-Identifikation, fand sich auch
die erwartete positive Korrelation zwischen der organisationalen Identifikation der Mitarbeiter
und der ihrer Kunden. Zudem zeigte sich, dass die Kundenorientierung der Mitarbeiter und
die organisationale Identifikation der Kunden den Zusammenhang zwischen Mitarbeiter-
Identifikation auf der einen Seite und Kundenzufriedenheit und Empfehlungsverhalten der
Kunden auf der anderen Seite mediierte.
Insgesamt leisten die vorgelegten Arbeiten einen Beitrag zur empirischen Validierung
und Weiterentwicklung des Transfermodells der organisationalen Identifikation. Sie überprüfen
die Kausalitätsannahme des Transferprozesses, untersuchen den zugrunde liegenden Mechanismus
und erweitern das Modell um die Perspektive der Kunden. Die Ergebnisse unterstreichen
die Wichtigkeit der organisationalen Identifikation der Vorgesetzten für die Einstellungen
und Verhaltensweisen ihrer Mitarbeiter. Zudem legen sie nahe, dass sich die Identifikation
der Führungskräfte, vermittelt durch die Mitarbeiter, auch auf die Zufriedenheit und
das Verhalten der Kunden auswirkt. Diese Befunde sprechen dafür, dass Führungskräfte als
Multiplikatoren der organisationalen Identifikation dienen können. Eine Führungskraft beeinflusst
eine Vielzahl an Mitarbeitern, die dann wiederum mit einer größeren Anzahl an Kunden
interagieren. Initiativen und Maßnahmen, die die organisationale Identifikation von Führungskräften
fördern, können daher ein effizienter Weg sein, um die Leistungsfähigkeit und
Kundenzufriedenheit einer Organisation zu fördern.