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"Habe die Mission treu erfüllt und begehre meinen Lohn darum" : Amt, Funktion und Titel des Schtadlan und ihre Wahrnehmung in der Frühneuzeit
(2011)
- Im Marktflecken Thannhausen bei Augsburg, der in einer adligen Enklave im markgräflich Burgauischen Mindeltal lag, existierte um 1600 eine für diese Zeit beachtlich große jüdische Landgemeinde, die mit ihren etwa dreißig Haushaltungen nach der Vertreibung der Juden aus Günzburg und Burgau 1617/18 die zahlenmäßig stärkste Gemeinde in Schwaben darstellte. An Chanukka des Jahres 5372, Anfang Dezember 1611 christlicher Zeitrechnung, kam dort ein Rechtsstreit zwischen der jüdischen Gemeinde zu Thannhausen und ihrem Schtadlan Kofman vor ein jüdisches Schiedsgericht. Es ging um die Entlohnung Kofmans für eine Mission, auf die ihn die Gemeinde im Frühsommer desselben Jahres nach Prag entsandt hatte, um bei der Ortsherrschaft ihre Interessen zu vertreten. Der Prozess, der zu den wenigen Schiedsgerichtsverfahren dieser Zeit gehört, deren Protokolle weitgehend erhalten sind, soll hier untersucht werden; dabei wird jedoch weniger das Verfahren oder der Gegenstand des Prozesses als solcher, die Auseinandersetzung um Kofmans Lohn, im Mittelpunkt stehen, als vielmehr der Konflikt um die Interpretation der Rolle des Schtadlan, des Fürsprechers der Gemeinde bei der Obrigkeit, durch die beiden Prozessparteien. Die Deutungen, wie sie in den Aussagen der Prozessbeteiligten artikuliert werden, weichen in erheblichem Maße von der in der Forschung vorherrschenden Darstellung des Amtes des Schtadlan in der Frühneuzeit ab – ebenso wie die Definition der Tätigkeit, die der bekannteste Fürsprecher des 16. Jahrhunderts, Josel von Rosheim, in seiner Korrespondenz und in seiner Chronik für sich verwandte. Aussagen der Beteiligten, Auftraggeber und Funktionsträger, sollen hier also auf die Frage nach Amt, Funktion und Titel des Schtadlan im 16. Jahrhundert im Lichte ihrer jeweiligen subjektiven Wahrnehmung der Vorgänge hin analysiert werden.
- "Jüdische Irrlehre" oder exegetisches Experiment? : die Restitution Israels im 16. Jahrhundert (2011)
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Von Muskeljuden und Rotschöpfen : Forschungsprojekt zu den "Roten Juden" in der jüdischen Populärkultur
(2011)
- Das imaginäre Volk der »Roten Juden« lebt in einem unerreichbaren sagenumwobenen Land hinter dem mythischen Fluss Sambatjon irgendwo im Osten oder Norden Asiens. Kommen die Roten Juden am Ende der Zeiten zurück? Juden wie Christen beobachteten die Entwicklungen hinter dem Sambatjon in der Vormoderne sehr genau – jeweils mit unterschiedlichen Vorzeichen, aber mit ähnlichen Erwartungen an die Apokalypse, Hoffnungen und Ängsten. Die Judaistin Rebekka Voß will die Rolle der Roten Juden in der jüdischen Kultur vom Mittelalter bis in die Gegenwart untersuchen. Schon ihre ersten Recherchen belegen, wie dynamisch Juden und Christen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit interagiert haben, was sich unter anderem in der Weitergabe von Geschichten und in der Sprache zeigt.
