Refine
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Nistkästen als Lebensraum für Insekten, besonders Fliegen und ihre Schlupfwespen
(2008)
- Aus Nistkästen wurden nach dem Ausfliegen der Vögel etwa 500 Nester entnommen und die darin vorhandenen Insekten herausgesucht oder mit einem Eklektor abgesammelt. Die gefundenen Arten lassen sich den in Nestern bekannten Gilden zuordnen: Parasiten, Saprophage, Räuber oder Parasitoide (Schlupfwespen i.w.S. und Raupenfliegen). Für die cyclorrhaphen Dipteren und ihre Parasitoide wird ein Nahrungsnetz als Bild eines Teils der Choriozönose im Vogelnest dargestellt. Es konnten 32 Arten in 10 Familien gefunden werden. Nidikol sind die Vogelblutfliegen (Protocalliphora azurea, Calliphoridae) mit ihrem Parasitoiden (Nasonia vitripennis, Pteromalidae), der durchschnittlich 40% der Puparien abtötet und dadurch für die Vögel eine besondere Bedeutung hat. Eine zweite Vogelblutfliegenart (P. falcozi) konnte nur in Süddeutschland gefunden werden. Bei dieser Art ist der größte Teil der Puparien mit einer Hülle aus Nistmaterial vor der Parasitierung geschützt. Die wenigen nicht geschützten Puparien werden ähnlich häufig parasitiert wie die von P. azurea. Zwei weitere Parasitoide (Dibrachys cavus und D. lignicola, Pteromalidae) konnten in Puparien von Raupenfliegen (Triarthria setipennis und Ocytata pallipes, Tachinidae) gefunden werden, die ihrerseits als Parasitoide in Ohrwürmern (Forficula auricularia, Forficulidae) leben. Die Arten der Nahrungskette Ohrwurm → Raupenfliege → Dibrachys gehören zu einer anderen Choriozönose, die sich in Verstecken bildet und sich im Nistkasten mit der der Nester überschneidet. Bei den Flöhen (Ceratophyllus gallinae, Ceratophyllidae) konnte das Verlassen des Nestes nach dem Ausfliegen der Jungvögel bis zur folgenden Brutsaison mit einem Eklektor ermittelt werden. Im Herbst erscheinen zunächst die im Nest vorhandenen adulten Flöhe, im folgenden Frühjahr die Individuen der neuen Generation. Die in Nistkästen gefundenen saprophagen Insekten werden erstaunlich wenig parasitiert. Sie fressen Mikroorganismen und sind am Abbau des Nistmaterials beteiligt. In Nistkästen spielen sie allerdings eine untergeordnete Rolle, weil das Nistmaterial normalerweise entfernt wird. Es wird diskutiert, dass sie in natürlichen Höhlen eine Bedeutung beim Abbau des Nistmaterials haben. Die Wirkung der Keratin fressenden Arten, die Haare und Federn abbauen, wird an Hand von Fängen der Kleistermotte (Endrosis sarcitrella, Oecophoridae) gezeigt.
