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Grundlagen der Bestandserfassung und Folgerungen für die Datenerfassung und -analyse in großräumigen Monitoringprogrammen
(2009)
- Großräumige Monitoringprogramme stellen eine zweistufige Stichprobe dar: Zuerst wird eine räumliche Stichprobe ausgewählt und danach eine Stichprobe an beobachteten Individuen, besetzten Flächen oder Arten. Damit die in Monitoringprogrammen gewonnenen Zahlen interpretierbar bleiben, muss die räumliche Stichprobe „definiert zufällig“ erfolgen, ansonsten können Verfälschungen auftreten. Außerdem muss beachtet werden, dass Zählungen und Vorkommensbeobachtungen („Präsenz-Absenz-Daten“) binomiale Zufallsgrößen sind, ganz analog zum Wurf einer Münze. Die Binomialverteiltung stellt sozusagen das „Grundgesetz der Bestandserhebung“ dar und besagt, dass Zählungen (Z) erstens auch unter identischen Bedingungen automatisch streuen, und dass sie zweitens im Durchschnitt einem Anteil p der vorhandenen Bestände N entsprechen, wobei p die Antreffwahrscheinlichkeit darstellt. Drittens beinhaltet ein Vergleich zwischen zwei oder mehr Zählungen immer gleichzeitig einen Vergleich der Bestände N und der Antreffwahrscheinlichkeit p. Das bedeutet, dass ein Zeittrend in Zählungen zustande kommen kann durch einen realen Bestandstrend, durch einen Trend in der Antreffwahrscheinlichkeit oder durch eine Kombination von beidem. Eine direkte Interpretation von Zählungen impliziert immer die Annahme, dass p = 1 oder dass p konstant sei. Es ist nützlich, sich die Entstehung von Vogelzählungen hierarchisch, d. H. mehrstufig vorzustellen: In einem ersten Schritt entstehen die wahren Bestände und im zweiten die Zählungen in Abhängigkeit der Bestände und der Antreffwahrscheinlichkeit p. Extrainformation ist nötig, um die wahren Bestände korrigiert für p zu schätzen. Diese Extrainformation besteht in der Regel aus Distanzinformation oder aus wiederholten Beobachtungen, woraus Distance-Sampling- und Fangwiederfang- Methoden die echten Bestände oder das wahre Vorkommen zu schätzen vermögen. In den vergangenen Jahren haben wir im Schweizer Brutvogelmonitoringprogramm MHB mehrere Analyseverfahren vom Fangwiederfang-Typ getestet und stellen diese und unsere Befunde zusammenfassend kurz vor. Diese Methoden korrigieren für den binomialen „Beobachtungsfehler“, der allen Vogelzählungen und Vorkommensbeobachtungen inhärent ist. Wir glauben, dass man an Methoden wie den hier illustrierten eigentlich nicht vorbei kommt, wenn bei Monitoringprogrammen absolute Bestandsgrößen vonnöten sind oder wenn man für „gefährliche Muster“ in der Antreffwahrscheinlichkeit, z. B. Zeittrends in p, korrigieren möchte.
