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Jahres- und tageszeitliche Phänologie der Vogelrufaktivität über der Deutschen Bucht
(2012)
- Im Hinblick auf potenzielle Standorte für Offshore-Windenergieanlagen und die von ihnen ausgehende mögliche Gefährdung von Vögeln ist es erforderlich, die Kenntnisse über den Vogelzug über See - insbesondere über den nächtlichen - zu erweitern. Im Rahmen einer umfassenden ökologischen Begleitforschung zur Offshore-Windenergienutzung wurden daher auf einer Forschungsplattform in der südöstlichen Nordsee auch die Rufe von Vögeln automatisch erfasst. Die genaue Artzugehörigkeit insbesondere nachts ziehender Vögel automatisch zu erfassen und zu bestimmen, ist bis auf wenige Ausnahmen nur anhand von Rufen möglich. Hier wird erstmals das artspezifische Vogelaufkommen in der Nähe einer anthropogenen Offshore-Struktur im gesamten Tagesund Jahresverlauf dargestellt (Pentadenmittel von zwölf Arten). Von 2004 bis 2007 wurden insgesamt 100 Arten identifiziert und die Rufe von 95.318 Individuen (ohne Großmöwen) analysiert. Drei Viertel aller Registrierungen betrafen Passeres (überwiegend Drosseln), ferner wurden vor allem Limikolen, Seeschwalben und Kleinmöwen nachgewiesen. 79,4 % aller Individuen wurden in der Nacht registriert. Hohe Individuenzahlen, meist von vielen Arten gleichzeitig, konzentrierten sich oft auf wenige Tage/Nächte oder gar Stunden. Zur Wegzugzeit war das Vogelaufkommen wesentlich höher als zur Heimzugzeit, maximal wurden in der Nacht vom 28. auf den 29.10.2005 über 5.236 Vögel (entsprechend 392 Ind./h) verschiedener Arten identifiziert. Die Zugzeiten der Kurz/Mittelstreckenzieher waren anhand der Rufe deutlich, die der Langstreckenzieher unter den Passeres wahrscheinlich wegen ihrer geringen Ruffreude nicht zu erkennen. Im Juli wurden überwiegend Kleinmöwen und Seeschwalben, im August vor allem Seeschwalben und Limikolen (insbesondere Rotschenkel) und im Winter spät wegziehende Kleinmöwen und Drosseln registriert. Generell stieg die Häufigkeit mit Beginn der Nacht stetig an und erreichte ihr Maximum vor Sonnenaufgang, die wenigsten Vögel wurden am späten Nachmittag registriert. Trotz methodischer Einschränkungen stimmen die gezeigten artspezifischen Phänologien im Großen und Ganzen mit den Zugzeiten im Offshore-Bereich der Deutschen Bucht nach Fangzahlen sowie nach Zugplan- und Zufallsbeobachtungen überein. Wie mit diesen Erfassungsmethoden ist aber auch mit der akustischen Aufzeichnung eine vollständige Quantifizierung des Vogelaufkommens nicht möglich. Vermutlich wird die Zahl der Vögel bei gutem Wetter unterschätzt und bei schlechtem überschätzt. Wir gehen aber davon aus, dass die auf der Plattform akustisch erfassten Vögel zumindest den niedrig fliegenden Anteil der rufenden Arten im jahreszeitlichen Verlauf und in seiner täglichen Variabilität reflektieren. Die Möglichkeit, anhand der Rufe auf die Zahl der niedrig und damit in der Nähe eines anthropogenen Hindernisses fliegenden Vögel schließen zu können, ist in Hinblick auf die Beurteilung ihres Kollisionsrisikos und der Einleitung von Verminderungs- oder Vermeidungsmaßnahmen (Standort, kurzzeitiges Abschalten der Anlagen und Beleuchtungsoptimierung) nicht unerheblich.
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Wie erfolgreich brüten Helgoländer Eissturmvögel (Fulmarus glacialis)?
(2012)
- Auf der Insel Helgoland in der südöstlichen Nordsee (54° 11‘ N, 7° 52‘ O) wird seit 1972 alljährlich der mutmaßliche Brutbestand des Eissturmvogels Fulmarus glacialis als „apparently occupied sites“ (AOS) erfasst. In drei Jahren intensiverer Beobachtungen von insgesamt 41 verschiedenen, gut einsehbaren Standorten erbrachten in der Summe 96 im Juni besetzte AOS 38 flügge Junge, entsprechend einem Bruterfolg von im Mittel 0,40 Jungen pro AOS. Eine Neuberechnung des Bruterfolgs unter Ausschluss der Prospektoren und adulten Nichtbrüter, welche den Brutfelsen bis August verlassen, ergab hingegen einen Bruterfolg von im Mittel 0,67 Jungen pro tatsächlichem Brutpaar. Isolierte Brutplätze oder solche am Rand der Kolonie wurden vermutlich eher von unerfahrenen, ungeschickten oder konditionell schwächeren Brutvögeln oder von Prospektoren besetzt: Zwar war der (unterschätzte) Bruterfolg der Juni-AOS im Zentrum der Kolonie höher als am Rand, nach der Neuberechnung des Bruterfolgs auf der Basis der tatsächlich brütenden Paare gab es aber keine lokalen Unterschiede mehr. Nur zwölf der insgesamt 41 verschiedenen Brutstandorte waren vergleichsweise erfolgreich und erbrachten drei Viertel des gesamten Bruterfolgs (28 flügge Jungvögel). Vermutlich waren diese Brutstandorte immer von den selben erfahrenen Brutpaaren mit hoher individueller Qualität besetzt.
