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Phänologie des "sichtbaren" Vogelzugs über der Deutschen Bucht
(2010)
- Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten Projekts zu Auswirkungen von Offshore-Windenergieanlagen auf den Vogelzug wurden vom Herbst 2003 bis Ende 2006 Vogelzugplanbeobachtungen in der Deutschen Bucht durchgeführt. Die Sichtbeobachtungen ziehender Vogelarten über See (Seawatching) und über dem Land (Islandwatching) erfolgten tagsüber mit etablierten Methoden an den drei Standorten Sylt, Helgoland und Wangerooge. Der besondere Wert der Studie liegt in der synoptischen Beobachtung an drei Standorten zumindest während der Zugzeiten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wurde beim Seawatching an allen drei Standorten und bei fast allen Arten in den Morgenstunden der stärkste Zug bemerkt, mittags und abends war die Zugintensität deutlich geringer. Unterschiede zwischen den Stationen bestanden vor allem in der Zusammensetzung der dominierenden Arten, was vor allem auf die unterschiedliche Lage von Brut- und Rastgebieten zurückzuführen ist, wodurch die Vögel die drei Stationen auf dem Zug mehr oder weniger stark tangierten (besonders auffällig bei den Gänsen). Beim Seawatching in den ersten drei Morgenstunden konnten insgesamt 185 Arten, davon 154 bei Sylt, 137 bei Helgoland und 148 bei Wangerooge registriert werden. Für 23 Arten, die besonders häufig auftraten bzw. die hinsichtlich der Gefährdung durch Offshore-Windenergieanlagen als kritisch gelten, werden jahres- und tageszeitliche Muster der Zugintensität geschildert und grafisch dargestellt, die beobachteten Truppgrößen für 11 Arten und die Zugintensität im Tagesverlauf für 15 Arten. Bei vielen Arten war bei Sylt der Wegzug und bei Wangerooge der Heimzug stärker ausgeprägt, während für Helgoland ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den beiden Zugperioden typisch war. In beiden Jahreszeiten war die tägliche Zugintensität zwischen den drei Stationen hochsignifikant korreliert und zwar sowohl bezogen auf die gesamte Zugintensität aller Arten als auch auf die vieler einzelner Arten. Auch wenn aufgrund der Lage von Brut- und Überwinterungsgebieten im Bereich der Deutschen Bucht vor allem mit Zug entlang einer SW-NE-Achse gerechnet werden muss, wurde dies beim Seawatching nur auf Helgoland festgestellt. Bei Sylt und Wangerooge zogen die meisten Vögel entlang der Küstenlinie, d. h. entlang einer S‑N- Achse bzw. einer W‑E-Achse. Beim Islandwatching in den ersten drei Morgenstunden wurden insgesamt 189 Arten beobachtet, davon 165 über Sylt, 133 über Helgoland und 161 über Wangerooge. Ebenfalls für 23 häufigere Arten wird die Phänologie beschrieben und grafisch dargestellt, die Truppgrößen für 10 Arten. Auch beim Islandwatching war die Zugintensität über Helgoland deutlich geringer als über den beiden küstennahen Inseln, mit etwa gleichstarkem Aufkommen zu beiden Zugperioden. Küstennah galt für vielen Arten, dass sie als Folge des von den meisten Singvogelarten gezeigten Leitlinienzuges über Wangerooge vor allem auf dem Heimzug und über Sylt vor allem während des Wegzuges beobachtet wurden: Während nur vergleichsweise wenige Individuen über Sylt (Herbst) bzw. Wangerooge (Frühjahr) auf See hinaus flogen, folgte die große Mehrheit der Vögel der Küstenlinie nach S (Sylt im Herbst) bzw. nach O (Wangerooge im Frühjahr). Offensichtlich scheuten sich Landvögel tagsüber vor dem Zug auf das offene Meer hinaus und folgten stattdessen der Küste. Die demzufolge wenigen von See ankommenden Vögel bedingten daher eine geringe Zugintensität im Frühjahr über Sylt bzw. im Herbst über Wangerooge. Nur für Helgoland konnte die in Mitteleuropa vorherrschende SW-NE-Richtung des Zuges bestätigt werden. Doch selbst dort hatten anscheinend bereits die Hafenmolen eine Leitlinienwirkung, denn im Herbst zogen zahlreiche Singvögel nach SE und S ab. Die starken Leitlinienwirkungen von Wangerooge (Frühjahr) und Sylt (Herbst) sorgten dafür, dass die den Zug über das offene Meer widerspiegelnden Standorte (Helgoland und Ankunft Sylt im Frühjahr bzw. Helgoland und Ankunft Wangerooge im Herbst) sowohl für alle Arten gemeinsam als auch bei Betrachtung einzelner Arten jeweils am engsten miteinander in Beziehung standen.
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Starker Rückgang des Rotsternigen Blaukehlchens Luscinia svecica svecica als Durchzügler auf Helgoland
(2005)
- Im Vergleich zu Schilderungen aus dem 19. Jahrhundert und überlieferten Daten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben Rotsternige Blaukehlchen als Durchzügler auf Helgoland sehr stark abgenommen. In den letzten Jahrzehnten ist der Rückgang stärker als der Durchschnitt anderer durch Mitteleuropa nach Afrika ziehenden Singvogelarten. Während der Wegzug inzwischen fast völlig erloschen ist, erscheinen Heimzügler heute in kleiner Zahl. Es wird vermutet, dass heute weniger skandinavische Blaukehlchen eine südsüdwestliche Zugrichtung einschlagen, möglicherweise im Zusammenhang mit dem Verschwinden einer langflügeligen Population in Süd-Norwegen. Ob dafür Gründe in Brut-, Durchzugs- oder Überwinterungsgebieten verantwortlich sind, ist unklar. Das einst regelmäßige und heute so gut wie erloschene Auftreten von nach S-SW ziehenden Blaukehlchen wurde im Frühjahr offenbar schon immer von Einflügen der Südostzieher überlagert. Diese Frühjahrseinflüge gibt es noch heute, erreichen jedoch bei weitem nicht das Niveau früherer Zeiten. Die Mediane von Heim- und Wegzug liegen in neuerer Zeit später als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Weißsternige Blaukehlchen L. s. cyanecula sind erheblich seltener als die Nominatform und erscheinen auf dem Heimzug deutlich früher (vor allem März/April).
