Mitteilungen zur floristischen Kartierung in Sachsen-Anhalt, Band 13 (2008)
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Über einen neuen Binnenlandnachweis von Cochlearia danica L. bei Pretzier (Altmark)
(2008)
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Günter Brennenstuhl
- Zu den Pflanzenarten, die ihr ursprüngliches Areal durch den Einfluss des Menschen erheblich
ausdehnen, muss neuerdings auch das Dänische Löffelkraut (Cochlearia danica L.) gezählt
werden. Die bislang als typische Küstensippe geltende Art dringt seit etwa 20 Jahren in zunehmendem
Maße entlang der Autobahnen und Bundesstraßen ins Binnenland vor. DUNKEL (1987)
verwendet die treffende Bezeichnung „Straßenrandhalophyt“ und weist auf Parallelen zum Gewöhnlichen
Salzschwaden (Puccinellia distans) hin, der ein ähnliches Verhalten zeigt und dessen
Ausbreitung an mit Streusalz behandelten Verkehrswegen in der Bundesrepublik seit etwa
1973 beobachtet wird (SEYBOLD 1973). Beide halophilen Arten profitieren von der Schädigung
der Straßenrandvegetation durch die Salzbeeinflussung und nutzen als konkurrenzschwache
Sippen dies für ihr eigenes Wachstum aus. Cochlearia danica benötigt für eine dauerhafte Ansiedlung
eine turnusmäßige Dynamik des Standortes, wobei neben den Tausalzen auch die Mahd
und das Abfräsen der Randstreifen von Bedeutung sind. Dabei scheint die Salzkonzentration der
Bodenlösung nicht der entscheidende Faktor zu sein, denn diese kann, wie aus eigenen Beobachtungen
abzuleiten ist, gegen Null tendieren. Für die Küstenstandorte wird von KOCH (1996)
ein Optimumwert von 0,4 % Chloridionen im Bodenwasser angegeben.
Cochlearia danica ist in Europa an den Küsten des Atlantiks, der Nord- und Ostsee bis zum
61. Grad nördlicher Breite auf wechselhalinen und wechselfeuchten Standorten (KOCH 1996),
insbesondere in lückigen Strandrasen, auf sandigen bis tonigen Salzwiesen und an Grabenrändern
anzutreffen (ROTHMALER et al. 2005). Die Vorkommen an den deutschen Küsten werden
bei ROTHMALER et al. (2005) für Niedersachsen, Schleswig-Holstein und NW-Mecklenburg
(Wismarbucht) als zerstreut und für NO-Mecklenburg (Hiddensee) als selten eingestuft
(vgl. BENKERT et al. 1996).
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Zur Einbürgerung von Vinca- und Miscanthus-Taxa – Beobachtungen im Gebiet um Salzwedel
(2008)
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Günter Brennenstuhl
- Seit Jahrhunderten werden Pflanzen fremder Florengebiete in Klosteranlagen, Botanischen
Gärten und privaten Sammlungen als Zier- und Nutzpflanzen kultiviert. Und so ist es nicht
verwunderlich, dass einige Arten verwilderten und sich in unserer Flora etablierten. Von manchen
Sippen sind Diasporen entwichen oder wurden durch Tiere verschleppt, für die meisten
Verwilderungen zeichnet jedoch der Mensch durch Entsorgung von Gartenabfällen und Ansalbungen
verantwortlich. Während bei uns bis etwa 1990 die städtischen und ländlichen Schuttund
Aschegruben als Zentren hortifuger Pflanzen anzusehen waren, kommt diese Rolle
inzwischen den Weg-, Wald- und Heckenrändern zu. In Gebieten, wo organische Abfälle nicht
gesondert erfasst und entsorgt werden, hat die Ablage des Gartenauswurfs in der Landschaft
mancherorts schon bedenkliche Ausmaße angenommen. Die meisten Zierpflanzen verhalten
sich zwar ephemer, einige robuste Sippen können sich aber auch über einen längeren Zeitraum
behaupten oder sogar ausbreiten. Zur letzteren Gruppe gehören vorrangig Pflanzen, die
durch unter- bzw. oberirdische Ausläufer ein hohes Regenerationspotenzial aufweisen, wie
z. B. Fallopia japonica, F. sachalinensis und Galeobdolon argentatum. Beim Erwerb solcher
Zierpflanzen – die aus diesen Gründen besonders kostengünstig angeboten werden – wird das
oft nicht bedacht. Wuchernde Bestände werden dann verkleinert oder ganz entfernt und gelangen
so als Gartenauswurf in die Natur. Über Vinca- und Miscanthus-Taxa, die eine große
Einbürgerungstendenz besitzen und deren Verhalten unter den neuen Bedingungen in der
Umgebung von Salzwedel (Altmark) größtenteils über mehrere Jahre verfolgt wurde, soll
nachstehend berichtet werden.
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Verwilderte Cotoneaster-Arten in Halle (Saale) und Umgebung
(2008)
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Heino John
Dieter Frank
- Zu verwilderten Vorkommen von Taxa der Gattung Cotoneaster in Deutschland gibt es nur
wenige Untersuchungen. Oft basieren diese aufgrund taxonomischer und nomenklatorischer
Unsicherheiten und wegen Problemen bei der Einschätzung des floristischen Status bisher nur
auf sporadischen Beobachtungen. In der Dölauer Heide, einem Stadtwald von Halle (Saale),
wurden subspontane Vorkommen von Cotoneaster bullatus BOIS, C. cornifolius (REHDER et H.
E. WILSON) FLINCK et B. HYLMÖ, C. dielsianus E. PRITZ. ex DIELS, C. divaricatus REHDER et H.
E. WILSON, C. lucidus SCHLTDL., C. aff. multiflorus, C. villosulus (REHDER et H. E. WILSON)
FLINCK et B. HYLMÖ und C. zabelii C. K. SCHNEID. festgestellt. In der weiteren Umgebung von
Halle wurde auch subspontanes Auftreten von C. horizontalis DECNE. und C. nitens REHDER et
H. E. WILSON ermittelt. Insbesondere C. villosulus und C. divaricatus werden als invasive
Arten eingeschätzt. Cotoneaster cornifolius und C. lucidus sind fest eingebürgert und haben
das Potenzial, invasiv werden zu können. Die synanthropen Vorkommen mehrerer Cotoneaster-
Arten haben überwiegend auffallend höheren Wuchs sowie größere Blätter und Früchte
als in den Originalbeschreibungen angegeben.
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Wiederfund von Najas marina L. ssp. marina im Schollener See (Elbe-Havel-Winkel, Sachsen-Anhalt)
(2008)
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Rüdiger Knösche
- Das Große Nixkraut (Najas marina L. s.l.) ist in der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen
Sachsen-Anhalts als stark bedrohte Art (Kategorie 1) verzeichnet (FRANK et al. 2004). Ein seit
längerem bekannter Standort dieser Art in Sachsen-Anhalt ist der Schollener See an der unteren
Havel, 12 km nördlich von Rathenow (BENKERT et al. 1996). Der jüngste Bericht von
Najas marina ssp. marina im Schollener See stammt von HILBIG & REICHHOFF (1974) aus dem
Jahre 1973. Seither wurde sie nicht wieder gefunden und ihr Vorkommen war in der Folgezeit
auch höchst unwahrscheinlich, da im Zuge der extremen Eutrophierung der Fluss- und Auenseen
der mittleren und unteren Havel und der damit verbundenen Verringerung der Sichttiefen
auf 2–3 dm die gesamte Submersflora verschwand.
Etwa seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre findet im Havelgebiet je nach Gewässertrübung
eine kontinuierliche Rückkehr der submersen Makrophyten statt. Es handelt sich dabei zunächst
nur um sehr eutraphente Arten, wie Ceratophyllum demersum, Potamogeton pectinatus und
Myriophyllum spicatum. Im Zuge dieser Entwicklung wäre ein Wiederauftauchen von Najas
marina durchaus denkbar, zumal sich im Gebiet meso- bis schwach eutraphente Arten langsam
wieder etablieren, wenn auch zunächst mehr in den Kleingewässern und Entwässerungsgräben
(TÄUSCHER 1994, 1996, 1998).
Das Jahrhunderthochwasser in der Elbe im August 2002, bei dem die Havelniederung als
Entlastungsraum diente, löste im Schollener See im Jahr 2004 offensichtlich die Ausbildung
eines ganzjährigen Klarwasserzustandes aus (leider keine Information über das Jahr 2003).
Sofort erschienen größere Bestände submerser Makrophyten und u. a. auch von Najas marina
ssp. marina. Primäres Ziel dieses Beitrages ist es, das Wiedererscheinen von Najas m. möglichst
umfassend zu dokumentieren. Darüber hinaus erlauben die Umstände des Wiederauftauchens
einige Einblicke in die Autökologie dieser Art. Schließlich zeigten sich bei der Bestimmung
der Subspezies einige Widersprüche, die es zu klären galt. So traf keine der im ROTHMALER
(Bd. 4, 2002) angegebenen Merkmalskombinationen für die Subspezies N. m. marina und N.
m. intermedia eindeutig für das vorgefundene Material zu.
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Man sieht nur, was man kennt. Nicht beachtete indigene Taxa der Gattungen Pteridium und Urtica
(2008)
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Dieter Frank
- Die infraspezifische Gliederung der Aggregate Pteridium aquilinum und Urtica dioica wird
diskutiert und auf das regelmäßige Vorkommen von Pteridium pinetorum C. N. PAGE et R. R.
MILL und Urtica subinermis (R. UECHTR.) HAND et BUTTLER in Mitteleuropa hingewiesen. Diese
Taxa wurden bisher nicht oder nur selten erkannt. Bestände von Pteridium pinetorum finden
sich insbesondere in lichten Kiefernforsten auf sandigen Böden. Die Art kommt in Deutschland
vorwiegend als Pteridium pinetorum ssp. pinetorum, vereinzelt aber auch als Pteridium
pinetorum ssp. osmundaceum vor. Urtica subinermis besiedelt Böschungen im Bereich der
großen Flussauen.
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Vegetationsdynamik in einigen Naturschutzgebieten Sachsen-Anhalts
(2008)
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Rudolf Schubert
- Panta rhei = Alles fließt. Mit diesem Ausspruch bekräftigte der griechische Philosoph HERAKLITOS
(514–483 v. u. Z.) seine Erkenntnis, dass sich alle Erscheinungen in immerwährender
Veränderung befinden. Dies gilt sowohl für den Makrokosmos als auch für den Mikrokosmos.
Das Naturgesetz der immerwährenden Veränderung gilt somit auch für die Lebensgemeinschaften
unserer Naturschutzgebiete. Wenn wir die Pflanzen- und Tiergemeinschaften in diesen
Gebieten schützen wollen, so sollten wir uns immer bewusst sein, dass unsere Schutzobjekte
einem ständigen Wandel unterliegen. Dieser Veränderungsprozess vollzieht sich
naturgemäß unterschiedlich schnell, ist aber nicht aufzuhalten.
Beispiele für Vegetationsdynamik sind in der pflanzensoziologischen Literatur außerordentlich
zahlreich. Schon AICHINGER äußerte sich 1954 ausführlich über statische und dynamische
Betrachtung in der pflanzensoziologischen Forschung. Allein an der Universität Halle fanden
mehrere internationale Symposien zu Fragen der Vegetationsveränderungen statt (SCHUBERT
& SCHUH 1980, SCHUBERT & HILBIG 1987). Auch in der Gegenwart wird in mehreren Forschungsvorhaben
über Vegetationsveränderungen unter dem Gesichtspunkt unterschiedlicher
Zeithorizonte intensiv gearbeitet. Durch die Einflussnahme des Menschen auf den Naturhaushalt
und globale Veränderungen des Klimas auf unserer Erde gewinnt diese Forschung immer
mehr an Aktualität.
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Aktuelle Nachweise von höheren Pflanzen in der Umgebung von Halle (Saale)
(2008)
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Heino John
- Dieser Beitrag setzt die von JOHN & STOLLE (2007) veröffentlichten Nachweise höherer Pflanzen
in der Umgebung von Halle (Saale) fort.
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Hierochloe odorata in der Fuhneniederung bei Radegast
(2008)
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Jens Stolle
- Bei einer Exkursion in der Fuhneniederung bei Radegast (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) Ende
April 2008 wurde ich auf ein Vorkommen von Hierochloe odorata ssp. odorata aufmerksam,
weil die Art zu diesem für Gräser jahreszeitlich frühen Zeitpunkt bereits in Vollblüte stand
und die Blütentriebe die restliche Vegetation der Feldschicht überragten. Das bisher unbekannte
Vorkommen befindet sich etwa 1 km westlich Radegast am Nordrand des Waldstückes,
das sich nordöstlich an den Cösitzer Teich anschließt, auf einer N-S verlaufenden Stromtrasse
(4338/2).
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Aktuelle Nachweise von Nanocyperion-Arten an der Elbe zwischen Dessau Kornhaus und Saalemündung
(2008)
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Anselm Krumbiegel
- Im Oktober 2008 erfolgte eine detaillierte Erfassung von Arten der Schlammfluren entlang
der Elbe zwischen Dessau Kornhaus und der Saalemündung. Dies stand im Zusammenhang
mit der Suche nach Vorkommen von Coleanthus subtilis und Lindernia procumbens. Wegen
der soziologischen Bindung an Schlammfluren und des bisherigen Fehlens von korrekten
Nachweisen beider Arten aus dem Untersuchungsgebiet (UG) (vgl. z. B. ZOBEL 1976, VOIGT
1980, 1982) wurden andere, im UG typische Nanocyperion-Arten als Indikatorsippen genutzt,
indem bei Vorkommen solcher Arten an den entsprechenden Stellen besondere Aufmerksamkeit
auf das potenzielle Vorhandensein beider Zielarten gelegt wurde. Als „Indikatorsippen“
dienten Eleocharis acicularis, Cyperus fuscus, Limosella aquatica, Lindernia dubia,
Mentha pulegium und Peplis portula. Auch Rorippa palustris bevorzugt, ebenso wie Juncus
bufonius, Gnaphalium uliginosum und Plantago intermedia schlammige bis schlammig-feinsandige
Standorte, jedoch sind diese Arten nicht derart ausgeprägt standortspezifisch wie die
erstgenannte Gruppe. Bei der Auswertung der vorhandenen Daten wurden sie allerdings
teilweise mit berücksichtigt. Auch Leersia oryzoides wurde als oft übersehene Art erfasst.
Obwohl für die genannten Arten umfangreiches Datenmaterial im Artenkataster des LAU
vorliegt, bot es sich an, noch dazu weil weder Coleanthus subtilis noch Lindernia procumbens
nachgewiesen werden konnten, die innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraumes für
den ca. 30 km langen Elbabschnitt gewonnen Daten in einer Übersicht zusammenfassend
darzustellen. Damit liegt ein für mehrere Arten aktueller Kartierstand vor, der insofern als
sehr genau angesehen werden dürfte, da die Entwicklungsbedingungen im Jahr 2008 für Arten
der annuellen Uferfluren ausgesprochen günstig waren.
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Bibliographie botanischer Literatur über Sachsen-Anhalt 2007/2008
(2008)
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Anselm Krumbiegel
- Die Bibliographie zur botanischen Literatur über Sachsen-Anhalt wird mit Nachträgen zu 2007
sowie den bisher zugänglichen Publikationen und Abschlussarbeiten von 2008 fortgesetzt.